Mobilität
Kanton St.Gallen Tiefbauamt

03. August 2026

Der sichere Schulweg – warum er für Kinder weit mehr ist als nur der Weg zur Schule

Für Kinder ist der Schulweg ein Ort voller Entdeckungen, Begegnungen und neuer Erfahrungen. Sie beobachten die Natur, treffen Freundinnen und Freunde, lernen ihre Umgebung kennen und üben täglich, sich selbstständig im Strassenverkehr zu bewegen.
Der Schulweg ist deshalb weit mehr als eine Verbindung von A nach B. Er ist ein wichtiger Teil der Entwicklung eines Kindes. Gleichzeitig trägt ein sicher gestalteter Schulweg zu einer lebenswerten Gemeinde bei – für Kinder ebenso wie für alle anderen Verkehrsteilnehmenden.

Daniel Litscher

Daniel Litscher
Projektleiter Fachstelle Fuss- und Veloverkehr Kanton St.Gallen

Der Schulweg als täglicher Lernort

Kinder lernen nicht nur im Klassenzimmer. Ein grosser Teil ihrer Entwicklung findet im Alltag statt – und der Schulweg bietet dafür ideale Voraussetzungen. Wer regelmässig zu Fuss unterwegs ist, sammelt jeden Tag neue Erfahrungen. Kinder lernen, sich zu orientieren, Entfernungen einzuschätzen, Entscheidungen zu treffen und Verkehrssituationen richtig zu beurteilen. Schritt für Schritt entwickeln sie die Fähigkeit, sich sicher im Verkehr zu bewegen. Gleichzeitig stärkt der tägliche Fussweg die Selbstständigkeit. Kinder übernehmen Verantwortung für ihren eigenen Weg und gewinnen Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Auch die soziale Entwicklung profitiert. Auf dem Schulweg entstehen Gespräche, Freundschaften und gemeinsame Erlebnisse. Nicht zuletzt ist der tägliche Fussweg auch ein wertvoller Beitrag zur Gesundheit. Bewegung an der frischen Luft fördert die körperliche Entwicklung, verbessert die Konzentration und hilft Kindern, ausgeglichen in den Unterricht zu starten.

 

Ein guter Schulweg ist mehr als unfallfrei

Ein sicherer Schulweg bedeutet nicht nur, Unfälle zu vermeiden. Gute Schulwege sind so gestaltet, dass Kinder sie möglichst selbstständig, verständlich und stressfrei nutzen können.

Dabei spielen verschiedene Faktoren zusammen:

  • Sicherheit und Übersichtlichkeit: Sichere Querungsstellen, übersichtliche Kreuzungen, gut erkennbare Fusswege und freie Sichtbeziehungen helfen Kindern, Verkehrssituationen richtig einzuschätzen.
  • Direkte und hindernisfreie Wege: Kurze, logische Verbindungen sowie genügend breite und hindernisfreie Trottoirs machen das Zufussgehen attraktiv und sicher.
  • Attraktive Gestaltung: Grünräume, abwechslungsreiche Umgebungen und kleine Entdeckungsmöglichkeiten machen den Schulweg zu einem positiven Erlebnis.
  • Sichere Querungen und angepasste Geschwindigkeiten: Fussgängerstreifen, Mittelinseln und tiefe Geschwindigkeiten des motorisierten Verkehrs erhöhen die Sicherheit und geben allen Beteiligten mehr Zeit zum Reagieren.
  • Rücksicht und gute Sichtbarkeit: Aufmerksamkeit aller Verkehrsteilnehmenden, gute Beleuchtung und eine klare Signalisation tragen wesentlich zu einem sicheren Schulweg bei.

Die Gemeinde Diepoldsau hat 2023 die Kampagne «Ich kann das. Ich gehe zu Fuss durchgeführt.» Mehr Infos zur Kampagne findest du im Blogbeitrag: Ich kann das. Ich geh zu Fuss.

Warum Kinder möglichst selbstständig zu Fuss unterwegs sein sollten

Viele Eltern möchten ihre Kinder schützen und begleiten sie deshalb möglichst oft bis vor die Schultüre. Dieser Wunsch ist gut nachvollziehbar. Dennoch zeigen Erfahrungen aus der Praxis und Erkenntnisse verschiedener Fachorganisationen, dass Kinder von einem möglichst selbstständig zurückgelegten Schulweg besonders profitieren. Genau hier setzt die Kampagne «Ich kann das. Ich geh zu Fuss.» an. Sie motiviert Kinder, den Schulweg als Chance zu erleben. Statt Ängste in den Mittelpunkt zu stellen, stärkt sie das Vertrauen in die Fähigkeiten der Kinder und zeigt, wie wertvoll der tägliche Fussweg für ihre Entwicklung ist.

Wer regelmässig zu Fuss unterwegs ist:

  • stärkt das Selbstvertrauen,
  • entwickelt Verkehrskompetenz,
  • bewegt sich täglich,
  • übernimmt Verantwortung,
  • pflegt soziale Kontakte,
  • lernt die eigene Umgebung kennen.

Diese Erfahrungen können nicht im Auto vermittelt werden. Verkehrskompetenz entsteht durch Übung, Wiederholung und das schrittweise Sammeln eigener Erfahrungen. Deshalb empfiehlt sich, den Schulweg gemeinsam einzuüben und Kinder danach – ihrem Alter und ihren Fähigkeiten entsprechend – zunehmend selbstständig gehen zu lassen.

Gemeinsam Verantwortung übernehmen

Ein sicherer Schulweg entsteht nicht zufällig. Er ist das Ergebnis eines guten Zusammenspiels verschiedener Akteure:

  • Eltern und Erziehungsberechtigte begleiten ihre Kinder auf den ersten Wegen, erklären Verkehrsregeln und stärken das Vertrauen ihrer Kinder durch schrittweise mehr Eigenständigkeit.
  • Fahrzeuglenkende leisten einen wichtigen Beitrag, indem sie aufmerksam fahren, ihre Geschwindigkeit anpassen und jederzeit bremsbereit sind.
  • Gemeinden schaffen mit sicheren Fusswegen, gut gestalteten Querungen, hindernisfreien Trottoirs und angemessenen Geschwindigkeiten die Grundlage für sichere Schulwege.
  • Schulen fördern die Verkehrsbildung und sensibilisieren Kinder sowie Eltern für ein sicheres Verhalten.
  • Auch die Bevölkerung trägt durch Rücksichtnahme, Respekt und Aufmerksamkeit zur Schulwegsicherheit bei.

 

Der Schulweg ist eine Investition in die Zukunft

Ein Kind, das lernt, sich sicher und selbstständig zu Fuss zu bewegen, gewinnt weit mehr als Verkehrskompetenz. Es entwickelt Selbstvertrauen, entdeckt seine Umgebung, bewegt sich regelmässig und sammelt wertvolle Erfahrungen für das ganze Leben.

Deshalb lohnt es sich, den Schulweg nicht nur unter dem Aspekt der Sicherheit zu betrachten, sondern auch als wichtigen Lebensraum für Kinder. Jede Verbesserung eines Fusswegs, jede sichere Querung und jede rücksichtsvolle Begegnung trägt dazu bei, dass Kinder ihren Alltag selbstständig und sicher erleben können.

Ein sicherer Schulweg beginnt deshalb nicht erst bei der Schultüre. Er beginnt bei unserem gemeinsamen Verständnis dafür, wie wichtig dieser Weg für die Entwicklung unserer Kinder ist.

Was kann ich tun?

  • Übe den Schulweg gemeinsam mit deinem Kind – am besten mehrmals vor dem ersten Schultag.
  • Lass dein Kind den Schulweg, wenn immer möglich, zu Fuss und zunehmend selbstständig zurücklegen.
  • Plane genügend Zeit ein, damit kein Zeitdruck entsteht.
  • Sei ein gutes Vorbild und halte Verkehrsregeln konsequent ein.
  • Fahre in der Nähe der Schule besonders aufmerksam und mit angepasster Geschwindigkeit.
  • Melde gefährliche Stellen deiner Gemeinde, damit Verbesserungen geprüft werden können.

 

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