Gebäude
energietal toggenburg

08. Juni 2026

Der Zeit voraus gebaut und jetzt voll im Trend

Energetisch bauen mit natürlichen Materialien, Klimaschutz, Energieeffizienz und Kreislaufwirtschaft waren Anfang der 2000er Jahre noch kaum ein Thema in der Bauwirtschaft, als Monika Mutti-Schaltegger in Mosnang ein Haus errichtete. Heute zeigt sich: Die Architektin hat vieles richtig gemacht, musste aber auch noch einiges lernen.

Sabine Camedda_Portrait

Sabine Camedda
energietal toggenburg

Auf den ersten Blick sieht das Wohnhaus im Zentrum des Toggenburger Dorfes Mosnang nicht spektakulär aus. Gut, der achteckige Grundriss, die dunkle Steinfassade und die leuchtend limettenfarbenen Fenster und Türen gefallen, oder nicht. Was sich die Architektin Monika Mutti-Schaltegger aber bei der Planung und dem Bau überlegt hat, ist heute sehr aktuell. Dabei ist das Gebäude über 20 Jahre alt.

Monika Mutti-Schaltegger war klar, dass für ihr damaliges Wohnhaus natürliche Baustoffe verwendet werden. Die Wände bestehen aus Mondholz, bei der Dämmung setzt sie auf Hanf. Die Aussenfassade ist aus Schiefer gestaltet, was sehr unterhaltsarm ist. Beim Fundament kam Misapor zum Einsatz, ein Recyclingprodukt aus Altglas. «So gesehen habe ich bereits zur Kreislaufwirtschaft von Baumaterial beigetragen», sagt Monika Mutti-Schaltegger.

Innenansicht
Innenansicht
Fassade
Fassade
Aussenansicht
Aussenansicht
Venturi-Prinzip
Die Lüftung funktioniert ohne Technik. Durch die Öffnung oben im Dach entsteht ein leichter Unterdruck in der Wohnung, wodurch die Abluft steigt und aus dem Haus «geschleudert» wird.

Lüftung mit Technik aus dem 19. Jahrhundert

Die Holzwände in den Innenräumen sorgen für ein gutes Raumklima. Die Belüftung des Hauses erfolgt ohne Ventilator oder Klimaanlage, sondern nach dem Venturi-Prinzip, das im 19. Jahrhundert entdeckt wurde. Als Grundsteine dienen ein Venturus auf dem Dach und Membranventile in den Fensterdichtungen. Ein unmerklicher Unterdruck «saugt» die Luft von aussen über die Membrane nach innen. Da sie dabei komprimiert wird, wird die Luft gleichzeitig aufgeheizt und so in den Raum entlassen. Die verbrauchte Luft steigt anschliessend nach oben und entflieht durch den Venturus (siehe Grafik oben). Eine Zentralheizung war im Haus nicht vorgesehen.

Monika_Mutti-Schaltegger_Portrait

«Ich dachte, dass wir das Haus mit Prozesswärme der Arbeitsbereiche und durch die Speicherkapazität heizen könnten. Aber die Abwärme war zu klein und die Misapor-Wände zu sehr verdichtet. Darum wurden einige Räume mit Lehmheizwänden ergänzt. Die Energiequelle ist eine Holzschnitzelheizung des Nachbarhauses.»

Monika Mutti Schaltegger

Architektin

Planung für ein Jahrzehnt

Monika Mutti-Schaltegger hat das Gebäude als Wohn- und Geschäftshaus für sich geplant. Im Untergeschoss war Platz für ein Töpferatelier mit Brennofen mit Ausstellungsraum, im Erdgeschoss war ihr Architekturbüro untergebracht, oben war der Wohnraum. «Dies hat für uns für gut 15 Jahre lang gestimmt», sagt Monika Mutti-Schaltegger. Sie ist überzeugt, dass die Nutzung eines Gebäudes nicht für mehrere Jahrzehnte gebaut werden kann, da sich die Lebensumstände der Bewohnerinnen und Bewohner ändern. Sie habe vorausschauend gebaut, so dass eine Umnutzung möglich ist. Mehr noch: Monika Mutti-Schaltegger lebt mittlerweile nicht mehr in diesem Haus. «Wir hatten den Mut, das Haus zu verlassen. So bekommt es eine Chance zur Veränderung und Raum für eine neue Geschichte.»

Was kann ich tun?

  • Prüfen Sie den Einsatz von natürlichen Baumaterialien und Recycling-Material.
  • Achten Sie nach Möglichkeit darauf, dass sich das Haus mit Ihnen verändern kann.
  • Überlegen Sie, ob ein Einsatz von Lowtech die gleichen Vorteile, jedoch mit Sparpotenzial, bringt.

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