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Der Zwergzebuhof der Familie Gmür in Bernhardzell zeigt, wie sich moderne Energielösungen auch in der Landwirtschaft konsequent und praxisnah umsetzen lassen. Auf den Dächern der Ställe und der Remise des Zwergzebuhofs in Bernhardzell glitzern Solarmodule in der Sonne. Hofinhaber Urs Gmür hat einen ersten Teil der Photovoltaikanlage im Jahr 2019 installiert und sie danach schrittweise ausgebaut. Heute bringt es die PV-Anlage auf eine Gesamtleistung von 119 Kilowattpeak und ist damit zu einem prägenden Element des Betriebs geworden.
Die PV-Anlage steht exemplarisch für mehrere Massnahmen, mit denen Urs Gmür, seine Frau Ursi und die beiden Söhne Stefan und Roland ihren landwirtschaftlichen Betrieb in den vergangenen Jahren konsequent in Richtung nachhaltige Energieversorgung weiterentwickelt haben. Dafür hat die Familie Gmür kürzlich den von der Gemeinde Waldkirch erstmals verliehenen Energiepreis gewonnen. «Eine schöne Anerkennung», sagt er. «Wir haben uns sehr darüber gefreut.»
Stromverbrauch stieg kontinuierlich
Urs Gmür ist auf dem Hof, der damals noch auf Milchwirtschaft ausgerichtet war, aufgewachsen. Der Hof prägte seine Kindheit, doch sein beruflicher Weg führte ihn zunächst weg vom elterlichen Betrieb. Er absolvierte eine Elektriker- und Energieberater-Ausbildung und machte sich 1990 mit einem Dachdecker- und Solaranlagen-Geschäft selbstständig. Als er 2014 auf den Hof zurückkehrte und ihn zusammen mit seiner Frau übernahm, stand für die beiden schnell fest, dass sie den bisherigen Milchbetrieb nicht weiterführen wollten. «Etwas Spezielles» sollte entstehen, ein Hof mit eigenem Profil. Bei den Tieren fiel die Wahl auf die Mutterkuhhaltung und auf eine Rasse, die in der Schweiz noch immer selten ist: Zwergzebus. Die kleinen Buckelrinder gelten als liebenswürdig und sind vergleichsweise anspruchslos in der Haltung. «Ausserdem ist die Fleischqualität sehr gut», betont Urs Gmür. Heute leben 44 Zwergzebus auf dem Hof. In der Remise ist ein Hofladen mit entsprechender Kühlung für Fleisch entstanden. Gemüse wird mittlerweile ebenfalls auf dem Hof angebaut und verkauft.
Mit jedem zusätzlichen Betriebszweig stieg jedoch auch der Strombedarf an. Neben der fachlichen Ausrichtung des Hofes war der Familie von Beginn weg wichtig, dass die Energieversorgung nachhaltig und zukunftsorientiert ist. Eine ganzheitliche Lösung war gefragt. Den Anfang machte eine ökologische Gebäudesanierung: Das über 100-jährige Wohnhaus, in dem bereits Urs Gmürs Urgrosseltern lebten, war schlecht isoliert. Bei der umfassenden Renovation wurden sämtliche Fenster ersetzt und die Gebäudehülle mit mindestens 20 Zentimetern Holzfaserdämmung versehen. «Heute genügt der alte Holzofen, um das gesamte Haus mit wohliger Wärme zu versorgen.»
Das 100-jährige Wohnhaus erstrahlt nach der umfassenden energetischen Sanierung in neuem Glanz.
Urs Gmürs Ziel ist es, möglichst unabhängig von fremden Energiequellen leben und arbeiten zu können. Gleichzeitig denkt der Familienvater über seine eigene Generation hinaus: «Ich möchte meinen Söhnen einmal einen modernen und nachhaltigen Betrieb übergeben können.» Vor diesem Hintergrund fiel dann auch der Entschluss, die Stromversorgung des Hofes weitgehend über eine PV-Anlage und ein aktives Energiemanagement sicherzustellen.
PV-Anlage mit integriertem Energiemanagement
In einer ersten Etappe wurde das Stalldach saniert und gleichzeitig die erste PV-Anlage mit einer Leistung von 28,56 Kilowattpeak installiert. Dank südlicher Ausrichtung und 30 Grad Dachneigung lieferte die Anlage sofort mehr Strom als prognostiziert: Statt der erwarteten rund 31 800 Kilowattstunden produzierte sie im Jahr 2022 bereits 36 443 Kilowattstunden. Begünstigt wurde dies unter anderem durch eine gute Lüftung der Module sowie durch die Lage der Anlage im oberen Dachbereich, wo Schnee rasch abrutscht und die Wintererträge weniger stark beeinträchtigt werden. Parallel dazu nutzte Urs Gmür die Installation für eine weitere Optimierung: Die Warmluft zwischen Modulen und Dacheindeckung wird seither für die Heubelüftung eingesetzt.
Kurze Zeit später folgte der nächste Ausbauschritt. Die PV-Anlage auf den Dächern der Remise, der Halle und des Stalls wurde erweitert und die bestehenden Module neu verteilt, um ein einheitliches Erscheinungsbild zu schaffen. Gleichzeitig wurden die Dächer saniert: asbesthaltige Eternitplatten wichen Profilblech, und das Dach der Remise erhielt eine neue Eindeckung. «Damit ist sichergestellt, dass die Dachflächen die Lebensdauer der PV-Anlage von 25 bis 30 Jahren überdauern», so Urs Gmür. Nach Abschluss dieser Arbeiten verfügt die erweiterte PV-Anlage über eine Gesamtleistung von 119 Kilowattpeak. Die jährliche Energieproduktion beträgt nun rund 130 Megawattstunden, wovon 25 bis 30 Prozent selbst genutzt wird.
Um ein optisch ansprechendes Erscheinungsbild zu erhalten, wurden die «alten « Module der Scheune auf das Remise und den «Buäbä» Stall montiert, die Scheune und die Halle wurde mit neuen Fullblack Modulen ausgestattet. Die Arbeiten wurden von der eigenen Solarfirma Gmür Energie projektiert und durchgeführt.
Um die Eigenverbrauchsquote und die Unabhängigkeit des Hofes zu erhöhen, wurde mit der PV-Anlage ein Energiemanagement und Batteriesystem installiert. Dieses bündelt die Daten der PV-Produktion sowie des Bezugs und der Einspeisung am Netzanschlusspunkt. Über eine App oder den Browser kann jederzeit nachgeschaut werden, wie viel überschüssige Energie durch die PV-Anlage zur Verfügung steht. Darauf kann dann der alltägliche Stromverbrauch angepasst werden. Der integrierte Energiespeicher sorgt dafür, dass überschüssiger Solarstrom gezielt für die Nacht oder sonnenarme Stunden gespeichert wird. «So steht auch dann eigener Strom zur Verfügung, wenn die Anlage gerade nichts produziert.» Das erhöht die Eigenversorgung deutlich. Selbst bei einem Netzausfall bleibt die Stromversorgung vorübergehend gesichert, sodass wichtige Anlagen und Geräte weiterlaufen.
«Über den ganzen Betrieb gesehen, erreichen wir momentan einen Autarkiegrad von insgesamt 95 Prozent: im Frühling, Sommer und Herbst sind es 98 Prozent, im Winter 85 Prozent. Und wir sind zuversichtlich, dass wir schon bald die 99-Prozent-Marke erreichen.»
Urs Gmür
Inhaber
Auch der Fuhrpark wurde elektrifiziert
Mit einem Teil der überschüssigen Energie werden die Fahrzeuge auf dem Zwergzebuhof geladen, da ein grosser Teil davon elektrisch betrieben wird. So übernimmt beispielsweise ein Elektro-Hoflader vielfältige Arbeiten rund um den Stall, und im Gemüsebau kommt ein Elektro-Einachser zum Einsatz. Auch die beiden Firmenfahrzeuge werden über eine intelligente Ladestation geladen. Für Urs Gmür ist dies ein weiterer Schritt auf dem Weg hin zu mehr Unabhängigkeit von fremden Energiequellen im eigenen Betrieb. «Wir wollen die Energie dort nutzen, wo sie entsteht», sagt er.
Noch aber ist nicht alles umgesetzt: Ein Elektro-Traktor für die Bewirtschaftung der Grünflächen fehlt bislang. Hier ist die Elektrifizierung weltweit noch in der Entwicklung. «Es gibt ein paar wenige Modelle, die sind aktuell aber noch zu teuer.» Der Markt werde jedoch aufmerksam verfolgt, um künftig auch in diesem Bereich elektrisch unterwegs sein zu können
Was kann ich tun?
Zwergzebuhof
Wir – das sind Ursi, Urs und Roland Gmür – bewirtschaften den Zwergzebuhof mit viel Herz, Handarbeit und einer grossen Portion Idealismus. Was als kleiner Bauernhof begann, wurde über die Jahre zu einem Ort, an dem seltene Rinder, nachhaltige Landwirtschaft und ehrlicher Genuss aufeinandertreffen. Heute arbeiten wir als Familie Hand in Hand: mit langjähriger Erfahrung, frischen Ideen und einer gemeinsamen Überzeugung. Hier erzählen wir dir unsere Geschichte – wie wir zum Zwergzebu kamen, was uns antreibt und warum wir lieben, was wir tun.
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