Planung & Versorgung
Kanton St.Gallen Amt für Wasser und Energie

24. November 2022

Fünf Fragen zur integralen Quartier- und Arealentwicklung

Quartiere und Areale sind mehr als die Summe ihrer Gebäude. Deshalb gibt es im St.Galler Energiekonzept das Schwerpunktthema «Quartiere und Areale». Die Massnahme SG-5 wird im Folgenden genauer vorgestellt. Denn zukunftsweisende Quartiere und Areale entstehen, wenn alle relevanten Themen berücksichtigt werden und alle Anspruchsgruppen daran beteiligt sind.

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Harry Eggenschwiler
Fachspezialist Grundwasser und Energie, Kanton St.Gallen

Worum geht es bei der Massnahme SG-5 «Integrale Quartier- und Arealentwicklung»?

Die Anforderungen an unseren Siedlungsraum steigen: Als Folge des Bevölkerungswachstums ist eine bauliche Verdichtung notwendig. Gleichzeitig wollen wir die Lebensqualität verbessern und den Siedlungsraum zukunftstauglich gestalten. Die Art und Weise, wie wir unsere Siedlungen planen, bauen und weiterentwickeln, ist deshalb im Wandel. Räumliche Strukturen, Gebäude und Infrastrukturen müssen nachhaltiger werden und den Bewohnerinnen und Bewohnern eine klimafreundliche, ressourcenschonende Lebensweise ermöglichen. Wie aber schaffen wir es, die vielfältigen Anforderungen unter einen Hut zu bringen? Wie werden unsere Gemeinden, Quartiere und Areale zukunftstauglich und bleiben lebenswert? Den notwendigen Umbau will die Massnahme SG-5 «Integrale Quartier- und Arealentwicklung» des St.Galler Energiekonzepts unterstützen. Sie fokussiert auf den planerischen Aspekt dieser Herausforderung. Denn auf der Quartier- und Arealebene werden wichtige planerische Grundlagen für das Zusammenspiel der notwendigen Massnahmen geschaffen.

Was bedeutet in diesem Zusammenhang «integrale» Planung?

Die nachhaltigen Quartiere und Areale im postfossilen Zeitalter müssen vielfältigen Ansprüchen gerecht werden: Sie zeichnen sich durch einen sparsamen Umgang mit Boden und Ressourcen aus. Sie bieten bezahlbaren, gesunden Wohnraum für viele verschiedene Menschen, sie sind gemeinschaftlich organisiert und fördern einen lebendigen Mix aus Gewerbe, Wohnen und freiwilligem Engagement. Die Bewohnerinnen und Bewohner nehmen aktiv am Quartierleben teil und gestalten ihre Umgebung mit. Sie begegnen sich in attraktiven, begrünten Aussenräumen und Gemeinde- oder Stadtzentren. Das nachhaltige Quartier kann Wasser speichern und in Hitzeperioden wieder abgeben. Dazu dienen begrünte Fassaden, Dächer und Aussenräume, die überdies ein angenehmes Klima in Innen- und Aussenräumen schaffen und für Biodiversität sorgen. Gebäude sind energieeffizient und das Areal bildet ein vernetztes Energiesystem, in dem erneuerbare Energie genutzt, produziert, gespeichert und ausgetauscht wird. Die Wege sind kurz und fördern eine klimafreundliche, gesunde Mobilität.

Integrale Planung heisst, alle diese Ansprüche im Blick zu haben und auf ein gutes Zusammenspiel der notwendigen Massnahmen zu achten. Die Planung ist umfassend, partizipativ und vorausschauend. Und sie fordert alle Akteurinnen und Akteure: Städte, Gemeinden, Planungsbüros, die Immobilienbranche, die Bewohnerinnen und Bewohner. Nur durch Zusammenarbeit schaffen wir lebenswerte, nachhaltige (und damit klimafreundliche) Quartiere und Areale.

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Integrale Quartierentwicklung berücksichtigt die ökonomische, die soziale und die physisch-ökologische Dimension.

Wie unterstützt der Kanton die genannten Anspruchsgruppen konkret?

Um herauszufinden, wie die wichtigsten Akteurinnen und Akteure der Planung durch den Kanton am wirkungsvollsten unterstützt werden können, hat das Amt für Wasser und Energie (AWE) die «Spurgruppe Integrale Quartier und Arealentwicklung» ins Leben gerufen. In der siebenköpfigen Gruppe sind Gemeinden, Raumplanungsbüros, das Amt für Raumentwicklung und Geoinformation (AREG) und die Energieagentur St.Gallen vertreten. Die Gruppe trifft sich im Jahr 2022 zu fünf Workshops, um die konkrete Umsetzung zu initialisieren. Die Workshops werden durch den Leiter des Instituts für Raumentwicklung (IRAP) der Fachhochschule OST moderiert. So fliessen auch aktuelle Erkenntnisse aus der Forschung ein. Sehr wichtig ist die Vernetzung der Akteurinnen – der Austausch fördert die Zusammenarbeit und trägt zur Sensibilisierung bei. Wichtig sind auch Hilfsmittel für die Planung, weil so viele Fachbereiche betroffen sind. Die Spurgruppe hat sich deshalb dem Thema Hilfsmittel angenommen und eine Übersicht erarbeitet. Die Übersicht soll vor allem Personen aus der Gemeindeverwaltung oder von Raumplanungsbüros einfach und schnell zum richtigen Hilfsmittel für eine bestimmte Fragestellung aus dem grossen Themenkreis der Quartier- und Arealentwicklung führen. Die Übersicht wird anfangs 2023 auf der Webseite des Kantons zur Verfügung gestellt.

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Dank der Spurgruppe «Integrale Quartier- und Arealentwicklung» werden gute Beispiele wie unser Wiler Merkblatt zu Arealentwicklungen im ganzen Kanton sichtbar und helfen auch anderen Städten und Gemeinden.

Stefan Grötzinger

Energiebeauftragter Stadt Wil

Was sind das beispielsweise für Hilfsmittel?

Entlang dem Prozess einer Arealentwicklung von der Konzeption über die Planung, den Bau und Betrieb gibt es themenbezogene Hilfsmittel – beispielsweise Checklisten, Handbücher, Wegleitungen oder Ähnliches – zu verschiedenen Themen wie Mobilität, Energie, Aussenraumgestaltung, Wasserkreislauf, Recht usw. Aber auch themenübergreifende – eben integrale – Hilfsmittel beispielsweise zur Nachhaltigen Quartierentwicklung oder zur Nachhaltigkeit in der Sondernutzungsplanung wurden bereits erarbeitet. So gibt es etwa den «Leitfaden Nachhaltigkeit in Sondernutzungsplanungen», den der Runde Tisch Energie und Bauen erstellt hat. Einzelne Kantone oder Gemeinden haben auch eigene Hilfsmittel entwickelt. Die Stadt Wil hat ein Merkblatt mit Anforderungen für Areal- und Sondernutzungsplanungen erarbeitet. Darin ist beispielsweise festgelegt, dass der Strom- und Wärmebedarf zu 100% mit erneuerbaren Energien gedeckt werden muss. In Wil wird auch das erste 2000 Watt-Areal des Kantons St.Gallen realisiert (siehe hier).

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Es ist wichtig, dass sich kleinere Gemeinden einbringen können. Wir haben ähnliche Herausforderungen wie städtische Quartiere und Areale, z.B. beim Thema Mobilität und bei der Richtplanung.

Norbert Tinner

Gemeinderat Sennwald

Was macht der Kanton weiter, um den «integralen» Ansatz in der Planung zu stärken?

Ein wichtiger Aspekt ist die Kommunikation: Der Kanton stärkt die Kommunikation zu Themen der integralen Quartier- und Arealentwicklung. Einerseits indem das AWE oder das AREG diese Themen in bestehenden Gefässen platziert, dieses Jahr beispielsweise am PlanerInnentreffen des AREG, in Workshops mit den Gemeinden oder am Energietreff der Energieagentur. Vorgesehen ist auch die Information von Energiestadtberaterinnen und Vorgehensberatern, die Gemeinden zu Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel beraten. Damit sollen möglichst viele «Multiplikatorinnen» erreicht und so Wirkung erzielt werden. Nicht zuletzt gilt es auch, gute Beispiele sichtbar zu machen, beispielsweise zukunftsweisende Überbauungen oder Arealentwicklungen. Damit werden andere inspiriert und motiviert, selber «Leuchtturmprojekte» zu realisieren.

Wo es möglich ist, stärkt der Kanton die integrale, nachhaltige Planung im Rahmen seiner Beratungsfunktion. Beispielsweise werden die Instrumente der Ortsplanung durch das AREG geprüft und genehmigt. Im Rahmen einer Vorprüfung können die Fachstellen Empfehlungen abgeben und so die integrale Planung stärken. So unterstützen sie Gemeinden, die die Chancen der integralen Quartier- und Arealentwicklung nutzen wollen. Denn letztlich profitieren alle von zukunftsweisenden, nachhaltigen Projekten: Die Gemeinde, die Investoren, die Bewohnerinnen und das Klima!

Was kann ich tun?

  • Als Privatperson: Starten Sie Projekte in ihrem Wohn- oder Arbeitsumfeld: Beispielsweise zur Energieproduktion/Energiesparen, Biodiversität, Gemeinschaftsgarten, Begegnung, Teilen von Wissen, Zeit und Gütern, Repaircafe, Um- und Zwischennutzungen, usw.
  • Als Planerin oder Planer: Weisen Sie in Projekten auf die Möglichkeiten und Chancen einer nachhaltigen Quartier- und Arealentwicklung hin und machen Sie entsprechende Vorschläge. Damit schaffen Sie Mehrwert für Investoren, Gemeinden und Bewohnerinnen.
  • Als Gemeindebehörde: Beim Umbau/Neubau oder beim Verkauf von gemeindeeigenen Liegenschaften: Nutzen Sie die Gelegenheit, um zukunftsweisende Projekte zu realisieren und damit die Attraktivität ihrer Gemeinde und die Lebensqualität zu stärken.

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