Wirtschaft & Arbeit
säntis packaging ag

20. Juni 2024

Kunststoff und Nachhaltigkeit sind kein Widerspruch

Die Säntis Packaging AG aus Rüthi hat in den vergangenen Jahren umfassende Massnahmen ergriffen, um ihre Energieeffizienz zu steigern und den CO2-Ausstoss zu senken. Durch die Implementierung modernster Technologien und nachhaltiger Produktionsmethoden zeigt das Unternehmen, wie Umweltbewusstsein und wirtschaftlicher Erfolg Hand in Hand gehen können.

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Marion Loher
Freie Journalistin

Auf dem Dach der Produktionshalle der Firma Säntis Packaging AG in Rüthi wird gebaut. In den nächsten Monaten soll auf dieser 7000 Quadratmeter grossen Fläche eine Photovoltaikanlage entstehen und in Betrieb genommen werden. Die Anlage wird künftig jährlich 1,6 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugen, was der Versorgung von über 300 Haushalten entspricht. «Dank dieser Anlage können wir bis zu 20 Prozent unseres gesamten Strombedarfs selbst produzieren», sagt Bettina Fleisch, Inhaberin und CEO der Säntis Packaging AG.

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Wir sind ein verantwortungsvoller Produzent und Arbeitgeber in der Region, dem die Umwelt wichtig ist. Zudem haben wir gesehen, wie viel Geld und Energie wir langfristig in den verschiedensten Bereichen sparen können, auch wenn es zunächst grosse Investitionen sind.

Bettina Fleisch

Inhaberin und CEO der Säntis Packaging AG

Die Photovoltaikanlage ist eine von mehreren Massnahmen, welche das Unternehmen in den vergangenen Jahren ergriffen hat, um seine Energieeffizienz zu erhöhen und den CO2-Ausstoss zu verringern. «Als moderner Betrieb ist uns das Thema Nachhaltigkeit sehr wichtig», betont Bettina Fleisch. Aus diesem Grund hat sich das Unternehmen, das an seinem Standort in Rüthi Kaffeekapseln, Joghurtbecher und verschiedenste Verpackungen für Lebensmittel herstellt, vor gut neun Jahren entschieden, in Zukunft möglichst klimaschonend zu produzieren. Dafür hat die Säntis Packaging AG zusammen mit der Energie-Agentur der Wirtschaft (EnAW) einen Mehrjahresplan erarbeitet. Darin ist festgehalten, wo überall im Betrieb Energieeinsparungen möglich sind.

«Der Entscheid damals, diesen Weg zu gehen, war uns nicht leichtgefallen», sagt die Inhaberin. «Wir wussten, dass für den Umbau massive Investitionen nötig sind. Gleichzeitig wuchsen wir in dieser Zeit stark und hatten auch betriebswirtschaftliche Ziele zu verfolgen.» In der Chefetage sei diesbezüglich viel diskutiert worden, vor allem darüber, ob die energiesparenden Massnahmen auch in die Gesamtinvestitionsplanung des Unternehmens passten. Claudio Bock von der EnAW, der die Säntis Packaging AG in den Energiefragen berät, kennt diese Diskussionen.

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In der Industrie kann sich die Marktsituation rasch verändern, worauf die Betriebe ebenso schnell reagieren müssen. Deshalb ist es nachvollziehbar, dass strategische Fragen entscheidend für derartige Investitionen sind.

Claudio Bock

Energieberater der EnAW

Schliesslich sprach sich die Unternehmensleitung dafür aus.

 

Energieeffizienz deutlich erhöht

Einen siebenstelligen Betrag hat das Unternehmen mittlerweile in die Massnahmen gesteckt. So wurde beispielsweise eine neue zentrale Kühlanlage installiert. Diese nutzt die natürliche Kälte des Grundwassers, um Maschinen und Werkzeuge zu kühlen. Im Winter wird mit einer Wärmepumpe das System gekühlt und die Abwärme für das Heizen verwendet. Weiter wurde die gesamte Deckenbeleuchtung auf LED-Lampen umgestellt und der Maschinenpark erneuert. Bei letzterem wurden alte ineffiziente Maschinen durch neue, effizientere Maschinen ersetzt. Der Stromverbrauch pro hergestellter Tonne Kunststoff hat sich dadurch um 35 Prozent verringert. Einen weiteren grossen Schritt in Richtung mehr Energieeffizienz hat das Unternehmen mit der Investition in die Wärmerückgewinnung bei den Druckluftkompressoren getan. Früher wurden die Produktionsräume mit Öl beheizt.

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«Aktuell reichen die Wärmerückgewinnung und die Wärmepumpe für das Heizen aus»
Bettina Fleisch, CEO der Säntis Packaging AG

Weitere Massnahmen sind die Sanierung und Isolation von Dach und Fassade bei der Produktionshalle sowie die Montage von sonnenabweisenden UV-Folien beim Bürogebäude. «Dadurch vermindert sich der sommerliche Wärmeeintrag deutlich und es muss weniger gekühlt werden», sagt Andreas Bolter, Leiter Technik der Säntis Packaging AG. Die Wirkung der Massnahmen ist frappant. So hat das Unternehmen seit Projektbeginn bis Ende 2022 rund 3,67 Millionen Kilowattstunden Energie einsparen und 124 Tonnen CO2 reduzieren können. Gleichzeitig hat sich die Energieeffizienz um 18,6 Prozent erhöht (Stand Ende 2023) und liegt damit bereits deutlich über den 5,9 Prozent, die zu Beginn als Ziel definiert wurden. Beim CO2-Ausstoss war innerhalb von zehn Jahren eine Reduktion von 95 auf 50 Prozent vorgesehen. «Hier sind wir bei den Vorgaben auf Kurs», sagt Andreas Bolter. 2020 hätten sie mit dem Einbau der Wärmerückgewinnung einen grossen Sprung auf unter 40 Prozent machen können. Allerdings hielt dies nicht lange an. «Wegen eines Werkumbaus mussten wir 2022 in der Produktionshalle wieder auf eine Ölheizung umstellen, was zu mehr CO2-Emissionen führte», sagt Bettina Fleisch. Dies jedoch nur vorübergehend. Denn mittlerweile wurde eine Wärmepumpe eingebaut. «Ab diesem Winter werden wir kein Heizöl mehr benötigen und damit das Reduktionsziel bei den fossilen Brennstoffen deutlich übertreffen.»

 

Wollen noch nachhaltiger werden

Ein solcher Optimierungsprozess ist für ein Unternehmen mit laufendem Produktionsbetrieb eine grosse Herausforderung.

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Kleinere Anpassungen lassen sich während des Produktionsalltags gut vornehmen. Bei grösseren Umbauten sei es schon etwas schwieriger, da müsse der gesamte Produktionsprozess berücksichtigt werden.

Andreas Bolter

Leiter Technik der Säntis Packaging AG

«Zudem mussten die hohen Hygienestandards eingehalten werden», ergänzt Bettina Fleisch. Für die Mitarbeitenden sei es nicht immer einfach gewesen, da in ihre Arbeitsprozesse eingegriffen wurde. «Aber sie freuen sich über die modernen Arbeitsplätze und unser Engagement für die Umwelt.» Ähnlich sieht es auf Seite der Kundschaft aus. «Sie schätzt unser aktives Energie-Management sehr», sagt die Geschäftsinhaberin. Für sie und ihr Team ist der gesamte Optimierungsprozess noch nicht abgeschlossen, auch wenn der Zehn-Jahres-Plan mit der EnAW dieses Jahr abläuft. «Wir wollen noch nachhaltiger werden.» Geplant sind beispielsweise weitere Gebäudehüllen zu sanieren und auf den Dächern zusätzliche Photovoltaikanlagen zu montieren. «Die grossen Investitionen haben sich bisher gelohnt», sagt Bettina Fleisch. Für sie geht das Thema Nachhaltigkeit aber noch einen Schritt weiter.

Bei jeder strategischen Entscheidung wird nachhaltiges Handeln mitgedacht und berücksichtigt», sagt sie. «Das betrifft nicht nur den Produktionsprozess, die Energiewirtschaft, den verantwortungsvollen Umgang mit den Ressourcen oder die verwendeten Rohstoffe und eingesetzten Verfahren, sondern beinhaltet auch eine soziale Verantwortung gegenüber unseren Mitarbeitenden, Kunden und Lieferanten. 

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Bettina Fleisch
Inhaberin und CEO der Säntis Packaging AG

Im Jahr 2022 hat die Säntis Packaging AG den Status «klimaneutrales Unternehmen» erworben. In einem aufwändigen Prozess wurde gemeinsam mit der auf Klimaschutz spezialisierten Firma ClimatePartner die CO2-Bilanz der gesamten Wertschöpfungskette analysiert und bewertet. «Entgegen der landläufigen Meinung sind Kunststoff und Nachhaltigkeit sehr gut kompatibel und kein Widerspruch», sagt die Geschäftsführerin. Entscheidend sei, dass Kunststoff nicht nach einmaligem Gebrauch entsorgt, sondern wieder zurück in den Kreislauf gebracht werde. «Entsprechend der Circular Economy-Strategie unseres Unternehmens denken wir in der Entwicklung der Produkte das Ende bereits mit. Das heisst, wir konzipieren Design und Produktion so, dass die Produkte künftig bis zu 100 Prozent in den Kreislauf zurückgeführt werden können.»

Was kann ich tun?

Massnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz und zur Senkung der CO2-Emissionen sind eine Chance für Unternehmen, um fit für die Zukunft zu sein. Oftmals kann man bereits mit kleinen Anpassungen einen grossen Effekt erzielen:

Grössere Anpassungen müssen in die Gesamtstrategie des Unternehmens eingebettet werden. Da jedes Unternehmen seine individuellen Bedürfnisse hat, ist es sinnvoll sich beraten zu lassen. Die EnAW bietet individuelle Lösungen, um die Energie- und Ressourceneffizienz kontinuierlich zu steigern: Angebot der Energie-Agentur der Wirtschaft

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