Dialog & Kooperation
Agenda 2030 – Netzwerk St.Gallen

14. Januar 2026

Zwischen Werk und Wirkung: Nachhaltigkeit in Kunst und Kultur

Am 30.Oktober 2025 fand im Sittertal der Jahresanlass des "Agenda 2030 - Netzwerk St.Gallen" statt. Austausch und Vernetzung rund ums Thema Kunst, Kultur und Nachhaltigkeit stand auf dem Nachmittags-Programm - ein durchwegs gelungener Anlass mit vielen neuen Erkenntnissen.

Karin Inauen

Karin Inauen
Koordinatorin Nachhaltige Entwicklung, Kanton St.Gallen

Einmal jährlich trifft sich das «Agenda 2030 – Netzwerk St.Gallen» an einem spannenden Ort und beschäftigt sich mit einem spezifischen Thema rund um Nachhaltigkeit. Dieses Jahr verschlug es uns ins Sittertal zur Stiftung Sitterwerk und der Kunstgiesserei St.Gallen. Welche Gedanken macht sich ein international tätiger Kunstbetrieb zum Thema Nachhaltigkeit? Wie wir erfahren durften: So einige!

Jahresanlass 2025 Führung Kanal Wasserkraft

Kanal zur Wasserkraft-Anlage

Eine Frage der Energie
Insbesondere das Energie-Thema treibt die zuständigen Personen um. Man kann sich vorstellen, dass das Produzieren von Kunstwerken aus Materialien wie Stahl oder Bronze viel Energie benötigt. Die vorhandene Wasserkraft war 1993 auch ein wichtiger Grund für die Ansiedlung der Kunstgiesserei im Sittertal. Das alte Industrieareal wurde bereits 1835 wegen der Nähe zum Wasser und der damit einhergehenden Energiegewinnung genutzt, damals für das Betreiben einer Spinnerei.
Trotz des Wasserkraftwerks verbraucht die Kunstgiesserei aber immer noch viel fossile Energie für die Produktion und Herstellung der Kunstwerke aus aller Welt. Der erste Schritt für die Nachhaltigkeitsverantwortliche Stella Carlsen war es darum, eine Klimabilanz zu erstellen. Mit dieser Ausgangslage soll zukünftig weitergearbeitet werden und das grosse Potenzial das auf dem Gelände vorhanden ist, z.B. die vielen Dächer für Photovoltaik-Anlagen, genutzt werden.

Jahresanlass 2025 Vernetzung
Jahresanlass 2025 Einstieg
Jahresanlass 2025 Vernetzung 2

Unterwegs im Sittertal
Während unseres Nachmittags-Anlasses konnten wir die verschiedenen Orte und Räumlichkeiten auf dem Areal kennenlernen. Zum Start trafen sich die über 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Magazin der Stiftung Sitterwerk. Die anwesenden Personen setzten sich zusammen aus Energiefachleuten, Kunstschaffenden, Verwaltungsmitarbeitenden, zivilgesellschaftlichen Organisationen, Wirtschaftsvertretenden, Vertretenden aus dem Bildungs- und Kulturbereich etc. – kurz gesagt: es traf sich eine diverse Gruppe. Deshalb starteten wir unter Anleitung von Rhea Braunwalder von OstSinn mit einer Vernetzungssequenz in den Nachmittag. So konnten erste neue Kontakte geknüpft und der Austausch gestartet werden.
Anschliessend machten wir uns in zwei Gruppen auf den Weg um mehr über die Kunstgiesserei und die Stiftung Sitterwerk zu erfahren. Felix Lehner, der Gründer und Leiter der Kunstgiesserei St.Gallen sowie Mit-Initiant der Stiftung Sitterwerk, führte uns durch die verschiedenen Werkstätten und Räume der Kunstgiesserei. Er erklärte uns, welche Arbeiten mit welchen Materialien gerade durchgeführt wurden. So konnten wir zahlreiche Kunstwerke in Entstehung sehen.
Wayne Switzer, Leiter des Werkstoffarchivs und Architekt, war für den zweiten Teil der Führung mit dem Schwerpunkt Architektur zuständig. Er führte uns über das Gelände und zeigte uns die unterschiedlichen Gebäude auf dem Areal. Besonders in Erinnerung blieb wohl allen der Pool mit Badehaus. Dieser stammt noch aus der Zeit als auf dem Areal ein Mädcheninternat für Mädchen aus dem Rheintal stand. Gleich nebenan steht das Studio von Jim Dine, einem Popart-Künstler aus den USA. Der Bau besteht aus 60 Prozent wiederverwendeten Bauteilen und ist damit ein Beispiel für kreislauffähiges Bauen. Den Ausgangspunkt für den Bau, der aus einem Atelier und einem Wohnteil besteht, bildet ein Stahlkran aus Hamburg. Aber auch St.Gallen ist vertreten: Die Türen stammen von der Olma.
Zum Abschluss der Führung trafen wir uns alle im Werkstoffarchiv zu einer Pause mit feinem Kuchen, frischen Früchten und Kaffee.

Jahresanlass 2025 Führung Kunstgiesserei
Jahresanlass 2025 Führung Start
Jahresanlass 2025 Führung Kunstgiesserei 2
Jahresanlass 2025 Führung draussen
Jahresanlass 2025 Führung Badehaus mit Pool
Jahresanlass 2025 Führung 1 Kesselhaus
Jahresanlass 2025 Führung Atelier Dine
Jahresanlass 2025 Pause
Jahresanlass 2025 Pause 2

Nachhaltigkeit in der Kunst oder nachhaltige Kunst?
Nach der Pause ging es mit dem zweiten Teil des Nachmittags weiter. Die Teilnehmenden konnten sich für eines der drei Tischgespräche entscheiden.

Jahresanlass 2025 Tischgespraech Sitterwerk

Energieprozesse im Sitterwerk: In diesem Tischgespräch vertieften Istvàn Scheibler, Stella Carlsen und Felix Lehner von der Kunstgiesserei St.Gallen die Klimabilanz, die sie erstellt haben. Es wurde mit den Anwesenden darüber diskutiert, wie die erneuerbaren Energien weiter ausgebaut werden können, was alles noch geplant ist und wohin die Reise gehen soll.

Jahresanlass 2025 Tischgespraech Martina

Einfach zu einer ökologisch nachhaltigen Kulturpraxis: Martina Wyrsch von der Tiefgrün GmbH präsentierte, was die grossen «Brocken» bei Kulturveranstaltungen und im Kulturbetrieb sind, die am meisten negative Auswirkungen auf die Umwelt haben. Sie zeigte zum Beispiel Ökobilanzen von Mobilität und Gastronomie, die aufzeigten welche Auswirkungen es hat, wie die Besucher:innen anreisen und was sie konsumieren. Sie verwies auch auf verschiedene Hilfsmittel und Netzwerke aus dem Kulturbereich, die bereits bestehen und beigezogen werden können.

Jahresanlass 2025 Tischgespraech Riikka 2

Ein künstlerischer Beitrag zum mikrobiellen Leben im Wasser: Die Künstlerin Riikka Tauriainen setzt sich in ihrem künstlerischen Schaffen mit unterschiedlichen Nachhaltigkeitsthemen auseinander. Momentan beschäftigt sie sich insbesondere mit dem Thema Wasser. Sie arbeitet hier mit Wissenschaftler:innen zusammen. Diese Kooperation findet sie besonders spannend – so arbeitet die Wissenschaft und die Kunst am gleichen Thema, aber mit unterschiedlichen Fragen. Die Umsetzung ihrer künstlerischen Arbeit erfolgt meist fotografisch und filmisch.

Die Tischgespräche zeigten, wie vielfältig das Thema Nachhaltigkeit in Kunst und Kultur besprochen werden kann. Die drei Runden hätten wohl auch noch lange weiterdiskutieren können. Es war eine Herausforderung, alle für einen kurzen Abschluss im Werkstoffarchiv zusammenzubringen.

Apéro inmitten von Kunst
Zum Abschluss dieses inspirierenden Nachmittags wurde uns im Kesselhaus Josephsohn ein sehr feiner und üppiger Apéro serviert. Hier konnten die neu geknüpften Kontakte vertieft und mit alten Netzwerkbekanntschaften angestossen werden.

Wir freuen uns bereits auf den Jahresanlass im 2026 und sind gespannt wohin es uns dann verschlägt. Ideen, Inputs und konkrete Vorschläge sind herzlich willkommen (an agenda2030@sg.ch).

Jahresanlass 2025 Apéro im Kesselhaus

Apéro im Kesselhaus Josephson

Was kann ich tun?

Als Besucher:in von Kulturveranstaltungen:

  • Reise wenn möglich mit dem öffentlichen Verkehr, zu Fuss oder mit dem Velo an.
  • Achte auch bei deiner Verpflegung vor Ort auf Nachhaltigkeit.
  • Unterstütze Veranstaltende, die sich für Nachhaltigkeit einsetzen.

 

Als Kulturbetrieb:

  • Es gibt bereits viele Hilfsmittel und Links für Nachhaltigkeit in der Kultur, z.B.:
  • Der nationale Kulturdialog (NKD) hat 2024 Empfehlungen für Ökologie im Kulturbereich herausgegeben: hier den Abschlussbericht lesen.

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