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Das neu erstellte Mehrfamilienhaus «Casa SoLina» an der Pizolstrasse 8 in Sargans verbindet modernen Wohnkomfort, soziale Verantwortung und nachhaltige Bauweise zu einem ganzheitlichen Konzept. Die 18 Wohnungen bieten ein gesundes Raumklima und eine hohe energetische Eigenständigkeit – ermöglicht durch einen Zusammenschluss zum Eigenverbrauch (ZEV).
Gleichzeitig schafft das Gebäude Raum für Institutionen wie die Stiftung Arwole und die Kinder- und Jugendhilfe St. Gallen. So entsteht ein Ort, der Gemeinschaft, Qualität und Nachhaltigkeit miteinander verbindet.
Eine zentrale Rolle spielt dabei die Architektur: Nachhaltigkeit wird nicht nur technisch umgesetzt, sondern bewusst gestalterisch integriert. Die sorgfältig konzipierten Solarfassaden – selbst an komplexen, fünfseitigen Gebäudeflächen – zeigen, wie sich Photovoltaik harmonisch und unaufdringlich in das Erscheinungsbild eines Gebäudes einfügen lässt. Durch eine abgestimmte Materialwahl, Farbgebung und Fassadengliederung wird die Solartechnik zum selbstverständlichen Bestandteil der Architektur. So entsteht ein Gebäude, das Tradition und Innovation verbindet und eindrucksvoll beweist, dass ökologisch verantwortungsvoller Wohnungsbau und soziales Engagement einander ergänzen und stärken können.
Die Bauherrschaft BEWISA AG, vertreten durch Ralph Windmüller und Tina Windmüller, hat das Projekt über sämtliche Planungs- und Realisierungsphasen hinweg begleitet. Im Interview sprechen Ralph und Tina Windmüller-Bereiter über Motivation, Herausforderungen und persönliche Erkenntnisse.
Was hat Sie dazu bewogen, ein Mehrfamilienhaus zu realisieren, das bei Energieproduktion und -nutzung über den Standard konventioneller Neubauten hinausgeht?
R+T Windmüller- Bereiter: Die dankbare Erinnerung an unsere Eltern, die Vorbilder und Pioniere zugleich waren – Menschen, denen Freiheit, Unabhängigkeit und Leistungsbereitschaft wichtiger waren als Statussymbole. Wir haben bereits vor 25 Jahren ein Einfamilienhaus mit Photovoltaikanlage und Erdsonde gebaut und sind überzeugt, dass private Initiative, Verantwortung und persönliches Engagement wichtige Treiber von Innovation sind und nachhaltige Lösungen für die Zukunft hervorbringen.
Unser Leitsatz lautet: «Mach es und lerne dabei». Dieser Prozess ist für uns bis heute ausserordentlich faszinierend.
In welcher Planungsphase fiel der Entscheid für eine PV-Fassade – und welche Auswirkungen hatte dies auf die Gestaltung?
R+T Windmüller- Bereiter: Von Beginn an war klar, dass das Dach sowie die Südostfassade mit Photovoltaik ausgestattet werden. Nach einer gemeinsamen Besichtigung in Zürich mit dem Solarspezialist Walter Mikesch und unserem Architekten fiel noch am selben Tag der Entscheid, sämtliche vier Fassadenseiten mit PV-Modulen auszuführen. Unser Credo war klar: Wenn ein solches Projekt mitten in Zürich realisierbar ist, dann erst recht im wintersonnenverwöhnten Sarganserland.
Die erforderlichen Anpassungen wurden umgehend mit dem Elektrofachplaner abgestimmt – ausgerechnet an jenem Tag, als die Decke über dem Erdgeschoss betoniert wurde.
Die anschliessende Projekt- und Detailplanung erwies sich als anspruchsvoll, insbesondere im Hinblick auf die Einhaltung der finanziellen Rahmenbedingungen. Der Ausbau mit einer Energiespeicherung ist deshalb noch nicht vollständig abgeschlossen und gibt Zeit die laufende Entwicklung zu beobachten.
Wie reagieren die ersten Mieterinnen und Mieter auf das Gebäude? Wird der Mehrkomfort und die Reduktion der Nebenkosten geschätzt?
R+T Windmüller- Bereiter: Der erhöhte Wohnkomfort und die vorausschauende Ausrichtung auf künftige energetische Anforderungen stossen auf grosse Zustimmung. Wir durften durchwegs Mietpartner gewinnen, die unsere Haltung teilen und das Konzept bewusst mittragen.
Dank des ZEV-Modells sind die Bewohnerinnen und Bewohner Mitbeteiligte und können ihren Energieverbrauch aktiv steuern und dadurch ihre Nebenkosten mitbeeinflussen
Was würden Sie heute anders machen, wenn Sie das Gebäude noch einmal von Beginn an gestalten könnten?
R+T Windmüller- Bereiter: Wir würden noch früher die richtigen Partner für Planung und Umsetzung suchen und einbeziehen. Der Markt ist weniger verlässlich, als man oft annimmt. Mit Sunage in Balerna und Greencover in Sargans haben wir letztlich jedoch kompetente und engagierte Unternehmen gefunden.
Eine zusätzliche Herausforderung sind die stetig wachsenden, sich bald täglich ändernden Vorschriften und gesetzlichen Anforderungen. Innovation braucht Freiraum. Zu viele Vorschriften können Entwicklungen eher bremsen als fördern. Freiheit, Leistungsbereitschaft und Eigenverantwortung sind Werte, die schon frühere Generationen ausgezeichnet haben und die auch künftig entscheidend bleiben werden.
Welche Botschaft möchten Sie anderen Bauherrschaften mitgeben?
R+T Windmüller- Bereiter: Es lohnt sich, im Interesse einer lebenswerten Zukunft auch neue und ungewöhnliche Wege zu gehen. Bauen sollte nicht ausschliesslich von Renditeüberlegungen geprägt sein, sondern auch von Überzeugung und Verantwortung. Die dafür notwendige Energie und Beharrlichkeit muss jedoch jede Bauherrschaft selbst mitbringen.
Was kann ich tun?
Energieagentur St.Gallen
Wir fördern erneuerbare Energien und schaffen Netzwerke.
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