16. Oktober 2025
Erneuerbares Heizen: für die Umwelt und das Portemonnaie
Der Umstieg auf eine erneuerbare Heizung ist sinnvoll und bietet Vorteile in vielerlei Hinsicht.
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Wo früher Heizöl verbrannt und Energie verschwendet wurde, wird heute Solarstrom produziert und erneuerbar geheizt. Die Wohnbaugenossenschaft St.Gallen hat ein altes Mehrfamilienhaus aus den 60er Jahren umfassend saniert und zeigt, dass Klimaschutz auch im Bestand gelingt.
«Gutes Wohnen – faire Mieten» lautet der Slogan der Wohnbaugenossenschaft St. Gallen. Doch dahinter steckt noch viel mehr: Den Genossenschafterinnen und Genossenschaftern aus St. Gallen ist auch wichtig, dass ihre Wohn- und Lebensräume modernste ökologische Standards erfüllen und die Biodiversität fördern. Beispielsweise Themen wie erneuerbares Heizen, Sonnenstrom oder die Nutzung von Regenwasser.
Ein Abriss stand zu Beginn durchaus im Raum. Doch die sorgfältige Prüfung der Bausubstanz ergab: Ein Erhalt ist nicht nur möglich, sondern auch ökologisch sinnvoll. Mit einem Abriss hätte man intakte Bauteile vernichtet. Die CO₂-Bilanz eines Neubaus wäre deutlich schlechter ausgefallen, erklärt Projektleiter Pascal Helfenstein.
«Besonders stolz bin ich auf das neue, moderne Erscheinungsbild mit unbehandelter Holzfassade und auch darauf, dass wir bei der Sanierung rund 160 Kubikmeter Massivbaustoffe erhalten konnten.»
Pascal Helfenstein
Projektleiter
Zudem war der Unterhaltsstau enorm – die alte Ölheizung, fehlende Dämmung und Fenster im Originalzustand machten eine tiefgreifende energetische Sanierung unumgänglich. Eine sanfte Innenrenovation hätte die Hauptprobleme wie Energieverbrauch und Trittschall nicht gelöst, die Mieten aber trotzdem erhöht.
Kennzahlen nach der Sanierung
Das Resultat lässt sich sehen – und messen: Der Heizwärmebedarf sank von 127 auf 29 kWh/m²a, der Endenergiebedarf für Raumwärme gar um 96 %. Statt 19’600 Liter Heizöl genügen heute 8’600 kWh Strom. Möglich macht das eine Kombination aus Wärmedämmung, Erdsonden und Wärmepumpe – ergänzt durch eine Photovoltaikanlage, die rund 50’000 kWh Solarstrom pro Jahr liefert.
Das Gebäude erreicht damit im GEAK eine Verbesserung von der Effizienzklasse G auf B bei der Gebäudehülle und von F auf A beim Gesamtenergieverbrauch.
Vergleich des Gebäudes vor und nach der energetischen Sanierung. Bild vorher: Wohnbaugenossenschaft St.Gallen, Bild nachher: © Manu Friederich / Das Gebäudeprogramm
Im Hinblick auf steigende Temperaturen wird der sommerliche Wärmeschutz immer wichtiger. Die Fassadenbegrünung leistet hier einen wichtigen Beitrag.
Pascal Helfenstein
Projektleiter
«Der Renovationsbedarf war so hoch, dass eine Renovation in Etappen gar nicht möglich war» sagt Pascal Helfenstein, Projektleiter. Die Bewohnerschaft wurde frühzeitig informiert und erhielt Unterstützung bei der Wohnungssuche sowie Vorrang bei der Neuvermietung. Aufgrund der Sanierung steigen die Nettomieten zwangsläufig – was auch eine Herausforderung ist für die Wohnbaugenossenschaft, welche möglichst faire Mieten bieten will. Doch bedeutend tiefere Heiz- und Nebenkosten mildern den Anstieg. Dank des genossenschaftlichen Modells werden die Mieten über die Jahre im Vergleich zum Markt günstiger.
Die Projektverantwortlichen raten anderen Bauherrschaften: «Holen Sie sich Profis an Bord.» Die zunehmenden Dokumentationspflichten und technischen Anforderungen seien komplex, aber mit einem guten Planungsteam problemlos machbar. Wichtig sei, die Chancen der gesetzlichen Vorgaben zu erkennen – denn sie lenken den Gebäudesektor in eine klimafreundliche Zukunft.
Als professionell aufgestellte Bauherrschaft mit eingespieltem Fachplanerteam entstanden bei der Beantragung der Fördergelder keine besonderen Fragen. Die gesprochenen Fördergelder entsprechen knapp 3% der Projektkosten. «Verglichen mit allen baulichen Auflagen ein eher bescheidener Beitrag, aber natürlich trotzdem sehr willkommen» fügt Projektleiter Pascal Helfenstein bei. Für folgende Teilbereiche rechnet die Baugenossenschaft noch mit weiteren Beiträgen: Für die Gebäudemodernisierung in Etappen, die Erdsondenbohrung und die Fotovoltaikanlage. Auch aus dem Schwammstadtfonds der Stadt St. Gallen sollte noch ein Beitrag erfolgen.
Der Beitrag basiert auf dem Beispiel des Gebäudeprogramms des BFE Vom Energiesünder zum Vorzeigehaus.
Was kann ich tun?
Kanton St.Gallen Amt für Wasser und Energie
Das Amt für Wasser und Energie setzt sich ein für sichere und intakte Gewässer, für den Schutz vor Hochwasser und Naturgefahren, für den Schutz und die nachhaltige Nutzung der Flüsse, Bäche, Seen und des Grundwassers, für eine rationelle und effiziente Verwendung der Energie und für den Schutz des Klimas.
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