05. Oktober 2026
Mobilitätsallianz Ostschweiz – vom gemeinsamen Ansatz zur messbaren Wirkung
Dank Massnahmen wie Direktbussen, vergünstigten ÖV-Angeboten, E-Bike-Förderung und gezieltem Mobilitätsmanagement.
Mehr erfahren07. September 2026
Ein Velo fährt vorbei. Dann ein zweites. Wenige Sekunden später folgt eine Familie mit Kindern. Für die meisten Menschen sind dies flüchtige Momente im Alltag. Für die Verkehrsplanung sind sie jedoch wertvolle Hinweise darauf, wie sich unsere Mobilität verändert.
Velofahren hat in den vergangenen Jahren stark an Bedeutung gewonnen. Ob für den Arbeitsweg, den Einkauf, den Weg zur Schule oder die Freizeit – immer mehr Menschen entscheiden sich für das Velo. Mit dem Ausbau der Veloinfrastruktur, der zunehmenden Verbreitung von E-Bikes und dem gesellschaftlichen Wunsch nach einer nachhaltigen Mobilität verändert sich auch das Mobilitätsverhalten. Um diese Entwicklungen zu verstehen, braucht es mehr als ein Bauchgefühl. Es braucht verlässliche Daten.
Im Kanton St.Gallen bilden Verkehrszahlen eine wichtige Grundlage für die Planung der Strassen- und Veloinfrastruktur. Insgesamt betreibt der Kanton 114 permanente Verkehrszählstellen auf Kantonsstrassen. Während der überwiegende Teil den motorisierten Strassenverkehr erfasst, messen heute 21 Zählstellen kontinuierlich den Veloverkehr.
Seit der ersten Inbetriebnahme im Jahr 2013 wurde das Netz schrittweise erweitert. Die Anlagen erfassen rund um die Uhr, wie viele Velofahrende eine Messstelle passieren und aus welcher Richtung sie unterwegs sind. Die Daten werden automatisch an die kantonale Verkehrsdatenbank übermittelt und dort ausgewertet.
Diese Informationen helfen dabei, Entwicklungen über viele Jahre hinweg sichtbar zu machen. Sie zeigen, wo der Veloverkehr zunimmt, welche Routen besonders stark genutzt werden und wo Infrastruktur an neue Bedürfnisse angepasst werden sollte. Gleichzeitig ermöglichen sie es, politische Entscheide, Planungen und Investitionen auf nachvollziehbare Grundlagen zu stützen.
Wer an einer Velozählstelle vorbeifährt, bemerkt sie meist gar nicht. Die eigentliche Messtechnik befindet sich im Strassenbelag.
Im Belag sind zwei Lichtwellenleiter eingebaut. Fährt ein Velo darüber, entsteht durch das Gewicht der Räder eine minimale Verformung des Materials. Dadurch verändert sich die Lichtübertragung innerhalb der Sensoren. Das Zählgerät erkennt anhand verschiedener Merkmale – unter anderem Druck, zeitlicher Abfolge sowie dem Abstand zwischen Vorder- und Hinterrad –, dass es sich um ein Velo handelt. Die Zählstelle kann somit den Veloverkehr von anderen Verkehrsteilnehmenden wie Fussgängern, Trottinets oder Inlineskatern unterscheiden.
Weil zwei Sensoren hintereinander eingebaut sind, lässt sich gleichzeitig die Fahrtrichtung bestimmen. Das System arbeitet zuverlässig, unauffällig und unabhängig von Tageszeit oder Lichtverhältnissen.
Das Verkehrsaufkommen an einem Strassenquerschnitt ist weit mehr als eine Zahl. Hinter jeder Fahrt steht ein Ziel – und oft auch eine persönliche Entscheidung.
Gerade beim Veloverkehr zeigt sich, dass äussere Einflüsse eine grössere Rolle spielen als beim motorisierten Individualverkehr. Besonders auf beliebten Freizeitstrecken beeinflussen Wetter, Temperatur und Jahreszeit das Verkehrsaufkommen deutlich.
Ein gutes Beispiel dafür ist die Velozählstelle entlang des Bodenseeradwegs in Rorschach. Während der kalten Wintermonate werden dort vergleichsweise wenige Velofahrende gezählt. Mit steigenden Temperaturen sowie während der Frühlings- und Sommerferien nehmen die Frequenzen deutlich zu. Sonnige Wochenenden oder längere Schönwetterperioden spiegeln sich oft unmittelbar in höheren Zählwerten wider.
Anders verhält es sich auf Strecken des Alltagsverkehrs. Bei Zählstellen in Bahnhofsnähe oder entlang wichtiger Pendelrouten zeigt sich ein anderes Bild. Morgens und abends fahren viele Menschen unabhängig vom Wetter mit dem Velo zur Arbeit, zur Schule oder zum Bahnhof. Wer das Velo im Alltag nutzt, entscheidet sich häufig aus praktischen Gründen: Die Wege sind direkt, zuverlässig und oft schneller als mit anderen Verkehrsmitteln. Zudem ist man bei der Wahl der Abfahrtszeit flexibel und profitiert vom befriedigendem Gefühl, sich bewegt zu haben.
Diese Unterschiede verdeutlichen, dass Veloverkehr nicht gleich Veloverkehr ist.
Freizeitfahrende wünschen sich attraktive Landschaften, sichere Wege und ein angenehmes Fahrerlebnis. Der Weg selbst gehört oft bereits zum Ausflug.
Im Alltagsverkehr stehen hingegen Effizienz, Sicherheit und direkte Verbindungen im Vordergrund. Wer täglich mit dem Velo unterwegs ist, möchte zügig, komfortabel und ohne Umwege ans Ziel gelangen. Gute Anschlüsse an den öffentlichen Verkehr, sichere Kreuzungen und durchgängige Velorouten gewinnen dabei zunehmend an Bedeutung.
Eine zeitgemässe Verkehrsplanung muss beide Bedürfnisse berücksichtigen. Sie schafft attraktive Freizeitverbindungen und gleichzeitig leistungsfähige Alltagsrouten für Pendelnde, Schülerinnen und Schüler sowie Familien.
Mit dem Inkrafttreten des nationalen Veloweggesetzes haben die Kantone zusätzliche Aufgaben bei der Planung und Weiterentwicklung ihrer Velowegnetze erhalten. Verlässliche Verkehrsdaten gewinnen dadurch weiter an Bedeutung. Sie ermöglichen es, Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und Infrastruktur dort auszubauen, wo sie den grössten Nutzen für die Bevölkerung entfaltet.
Dabei liefern Zählstellen weit mehr als nur Zahlen. Sie zeigen, wie sich Mobilität verändert, welche Wege an Bedeutung gewinnen und wie sich unsere Ansprüche an den öffentlichen Raum weiterentwickeln. Den Verkehr ist immer Ausdruck über die Mobilätsbedürfnise des Menschen.
Um ein besseres Bild der Verkehrsbelastung an einem Strassenquerschnitt zu erhalten, werden die erhobenen Daten zeitlich aggregiert. Für die Verkehrsplanung ist nämlich nicht die einzelne Velofahrerin oder der einzelne Velofahrer entscheidend, sondern die Anzahl Personen, die sich zu einem bestimmten Zeitpunkt für eine Route entschieden haben.
Aus diesem Grund hat der Kanton St.Gallen mit den neuen Datenblättern einen wichtigen Schritt in diese Richtung gemacht. Die übersichtlich aufbereiteten Datenblätter für jede Zählstelle zeigen beispielsweise, in welchen Monaten die meisten Velofahrenden den Standort passierten, wie sich das Verkehrsaufkommen im Durchschnitt über die vergangenen Jahre entwickelt hat und zu welchen Tageszeiten der Veloverkehr am stärksten ist.
Auf der Seite Verkehrszahlen | sg.ch findest du alle Datenblätter zu den 21 Velozählstellen.
Datenblatt für die Velozählstelle in Altstätten
Der Physiker Albert Einstein soll einmal gesagt haben: «Mir ist es eingefallen, während ich Fahrrad fuhr.» Ob dieses Zitat historisch exakt überliefert ist oder nicht, spielt letztlich eine untergeordnete Rolle. Es bringt einen Gedanken zum Ausdruck, den viele Velofahrende kennen: Wer mit dem Velo unterwegs ist, nimmt seine Umgebung anders wahr. Wege werden bewusster erlebt, Distanzen erhalten ein anderes Mass, und Mobilität wird unmittelbar erfahrbar.
Jede Fahrt, die eine Velozählstelle registriert, ist deshalb mehr als ein Datensatz. Sie steht für einen Arbeitsweg, einen Einkauf, einen Familienausflug oder einen Moment der Bewegung. Aus tausenden solcher Fahrten entsteht ein Bild darüber, wie sich unsere Mobilität entwickelt – und dieses Bild hilft mit, den Kanton St.Gallen auch in Zukunft sicher, attraktiv und nachhaltig zu gestalten.
Was kann ich tun?
Kanton St.Gallen Tiefbauamt
Das Tiefbauamt ist für den Unterhalt und die Weiterentwicklung des kantonalen Strassennetzes zuständig. Vom Winterdienst über Lärmschutz bis zur Planung von Grossprojekten übernimmt es alle Arbeiten, die sich mit Kantonsstrassen im Kanton St.Gallen auseinandersetzen. Zudem ist die Abteilung Gebietseinheit VI zuständig für den Unterhalt der Nationalstrassen. Ausserdem ist das Tiefbauamt für die Verkehrsplanung und die Fachstelle Fuss- und Veloverkehr zuständig.
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