Raum & Wohnen
Energieagentur St.Gallen

20. April 2026

Wo früher Holz gesägt wurde, wird heute im Holzbau gewohnt

Auf dem Areal der ehemaligen Stadtsägerei der Ortsbürgergemeinde St.Gallen ist ein neues Quartier entstanden: die Überbauung Stadtsägi. Wo früher Baumstämme zu Brettern verarbeitet wurden, stehen heute neun mehrgeschossige Holzbauten mit insgesamt 188 Wohnungen – von Studios über Familienwohnungen bis zu grosszügigen WGs und publikumswirksamer Gewerbenutzung im Erdgeschoss.

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Andreas Lehner
Energieagentur St.Gallen

Holzbau in grossem Massstab

Von Beginn an war klar, dass auf dem Areal konsequent mit Holz gebaut wird. Insgesamt wurden rund 6’500 Kubikmeter Rundholz verbaut. Um diese Menge zu verarbeiten, hätten in der früheren Stadtsägerei die Maschinen rund eineinhalb Jahre lang arbeiten müssen.

Zum Vergleich: In den Wäldern des Kantons St.Gallen wachsen jährlich rund 170’000 Kubikmeter Holz nach. Die für die Stadtsägi verwendete Holzmenge wächst somit in etwa zwei Wochen wieder nach. Das unterstreicht das Potenzial des regionalen, nachwachsenden Baustoffs.

Die insgesamt neun Baukörper sind mehrheitlich in Holzbauweise ausgeführt, zwei grössere Kopfbauten verfügen über einen Massivbaukern. Die Ingenieure von B3 waren für die Holzbauplanung sowie die Werkplanung verantwortlich. Mehr als 3’000 vorgefertigte Elemente wurden in über 230 Transporten geliefert und montiert – wegen der beengten Platzverhältnisse eine logistische und planerische Meisterleistung.

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«Die wirtschaftliche und statisch optimierte Bauweise mit Holzrahmenbauwänden und Rippendecken ermöglichte dank ihrem hohem Vorfertigungsgrad eine effiziente Baustellenlogistik im innerstädtischen Umfeld.»

Simon Schubiger

B3 Kolb AG, Romanshorn

Architektonisch nimmt das Quartier Bezug auf seine Geschichte: Die horizontale Fichtenschalung erinnert an die früheren Bretterbeigen auf dem Areal. Laubengänge aus Stahl dienen der Erschliessung und gleichzeitig als halböffentlicher Aussenraum. Der begrünte Sägiplatz bietet einen Begegnungsort für die Bewohnenden und das umliegende Quartier. Mit diesem Entwurf haben Galli Rudolf Architekten die Wettbewerbsjury überzeugt.

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Erneuerbare Wärme aus der Region

Ein weiteres Merkmal des Quartiers ist die nachhaltige Energieversorgung. Die bestehende Zentrale des Nahwärmeverbunds der Ortsbürgergemeinde St.Gallen wurde erneuert. Sie versorgt neben der Stadtsägi auch die Geriatrische Klinik, ein Alterszentrum sowie weitere Mehrfamilienhäuser mit erneuerbarer Energie. Die Wärme wird mit Restholz aus umliegenden Wäldern erzeugt – also mit regional anfallender Biomasse. Für Spitzenlastzeiten ist der Nahwärmeverbund mit dem Fernwärmenetz der Stadt St.Gallen verbunden. Der Energieaustausch funktioniert in beide Richtungen und erhöht damit die Versorgungssicherheit und die Effizienz beider Systeme.

Ortsbuergergemeinde St. Gallen, Baumpflanztag

«Mit regionalem Waldrestholz und modernster Filtertechnik sorgt unsere erneuerte Zentrale auf dem Stadtsägi-Areal für eine zuverlässige und CO₂-neutrale Wärmeversorgung im Quartier.»

Urban Hettich

Nahwärmeverbund Stadtsäge AG, St.Gallen

Eine zukunftsorientierte Zertifizierung

Für die Überbauung ist eine Zertifizierung nach dem Standard Nachhaltiges Bauen Schweiz SNBS vorgesehen. Im Unterschied zu einem Energie-Label ist SNBS ein ganzheitlicher Gebäudestandard. Betrachtet wird der gesamte Zyklus eines Gebäudes – von der Planung über den Bau bis zum Betrieb – in den drei Dimensionen Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt.

Gerne mehr davon

Die SNBS-Zertifizierung schafft Transparenz und Vergleichbarkeit und stellt sicher, dass Nachhaltigkeit umfassend gedacht wird. Die Stadtsägi steht für eine nachhaltige Entwicklung im urbanen Raum. Die Energieagentur St.Gallen als SNBS-Zertifizierungsstelle Ostschweiz konnte dem Projekt das provisorische Zertifikat SNBS-Gold ausstellen und die definitive Zertifizierung wird voraussichtlich noch in diesem Jahr abgeschlossen. Das Projekt ist ein starkes Zeichen dafür, welches Potenzial im klimafreundlichen Bauen und in regionalen Energielösungen steckt.

Der Prozess hinter einer Zertifizierung

Eine wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Zertifizierung ist, dass sich alle am Projekt Beteiligten zum nachhaltigen Bauen bekennen und verbindliche Planungsziele festlegen. Dabei steht es ihnen frei, wie sie die verschiedenen Anforderungen gewichten und miteinander abwägen. Gemeinsam entwickeln die Bauherrschaft und die Fachplanenden im Dialog ein Projekt, das ihre aktuellen Bedürfnisse deckt und das auch zukünftigen Anforderungen gerecht wird.

Anlaufstelle SNBS
Sind Sie interessiert am SNBS? Haben Sie Fragen zu Inhalt, Vorgehen oder Förderung? Die Energieagentur St.Gallen bietet Ihnen eine kostenlose Beratung.
Energieagentur St.Gallen – SNBS

Das Projekt Stadtsägi im Architektur Forum Ostschweiz
Video Stadtsägi –zukunftsfähiger Lebensraum

Lassen Sie sich von nachhaltigen Projekten inspirieren:
Videos Präsentationen Energieagantur@Architektur Forum

Was kann ich tun?

  • Erkundige dich beim nächsten Wohnungswechsel auch über Nachhaltigkeitsthemen: Wird meine Wohnung erneuerbar beheizt? Wie sieht das Mobilitätsangebot im Quartier aus? Gibt es Naturräume und Angebote zur sozialen Vernetzung?
  • Lege bei deinem nächsten Bauprojekt Wert auf Nachhaltigkeit. Es muss nicht immer nach einem Label zertifiziert werden. Es können auch einzelne Themen aufgegriffen und umgesetzt werden.
  • Energieeffiziente Sanierungen sowie Geräte wie Photovoltaikanlagen, Wärmepumpen etc. profitieren oft von staatlichen Fördergeldern. Auf energiefranken.ch können Sie die Förderangebote nach Kanton und Gemeinde durchsuchen. Die Energieagentur bietet kostenlose Beratungen an: Beratungsangebot – Energieagentur St.Gallen

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