Dialog & Kooperation
Kanton St.Gallen Amt für Wasser und Energie

28. August 2023

5 Fragen an Philipp Egger

Der Geschäftsleiter der Energieagentur St.Gallen GmbH, Philipp Egger, verabschiedet sich. In den elf Jahren seit der Gründung im November 2012 hat Philipp Egger die Energieagentur St.Gallen GmbH erfolgreich aufgebaut und geleitet und einen erheblichen Beitrag zur Förderung nachhaltiger Energielösungen in der Region geleistet.

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Céline Ramseier
Projektleiterin Konzepte und Planung Energie

In diesem Interview reflektiert Philipp Egger über seine prägenden Erfahrungen, erzählt von seinen Beiträgen zum Klimaschutz und teilt seine Erkenntnisse über die Herausforderungen und Erfolge, die er auf dieser spannenden Reise erlebt hat. Seine klare und sympathische Art zu sprechen gibt Einblicke in seine tiefe Leidenschaft für eine grünere Zukunft.

Philipp, du hast seit der Gründung im November 2012 die Energieagentur St.Gallen aufgebaut und geleitet. Wenn du auf die vergangenen Jahre zurückschaust, was hat sich verändert? Und welcher Moment bleibt dir in Erinnerung?

In den letzten Jahren hat sich enorm viel getan. Die Leute achten viel mehr auf das Thema Energie, das hat sich stark verändert. Und alles geht jetzt viel schneller. Am Anfang war alles ziemlich ruhig, die Gemeinden haben einfach gesehen, dass da was Neues entsteht. Wir haben dann eine nach der anderen besucht und geschaut, was die Bedürfnisse der Gemeinden sind. Manche waren sofort dabei und haben unsere Dienstleistungen in Anspruch genommen. Es gab echt vorbildliche Gemeinden, die voll mitgemacht haben. Die haben uns beauftragt, Energiepläne zu machen und Förderprogramme zu organisieren. Das hat uns auch selbst weitergebracht.

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Das Thema Energie hat jetzt viel mehr Bedeutung. Ein Moment, der mir in Erinnerung bleibt, ist der Start. Ich war von Anfang an total positiv eingestellt. Als Elektroingenieur kannte ich zu Beginn zwar wenig von den gesetzlichen Rahmenbedingungen, aber es war spannend, in diese Welt einzutauchen. Ich hab mich mit vielen Leuten getroffen, wie Gemeindepräsident*innen, Hauseingentümer*innen und Installateuren und gemerkt, dass man mit jedem anders reden muss. Jeder hat seine eigenen Bedürfnisse.

Im Jahr 2016 erkannten wir die Bedeutung eines Kommunikationsprojekts als Schlüsselelement. Die enge Zusammenarbeit mit der Branche war entscheidend, um Botschafter zu gewinnen. Dadurch schufen wir Netzwerke und Austauschmöglichkeiten entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Ein weiterer wichtiger Schritt war die Kooperation mit Banken. Bei Immobilienerneuerungen ist die Finanzierung entscheidend. Unsere energetische Schulung für Bankberater zu Energiestandards, Gesetzen und Gebäudeentwicklung führte zu einer Win-Win-Situation. Die Ausbildung von Installateuren zu Impulsberatern stärkt erneuerbare Konzepte. Installateure agieren als Botschafter für nachhaltige Ideen, sowohl bei Endkunden als auch Hauseigentümern. Mit Verhaltensökonomie schaffen wir Meilensteine für einen effektiven Wandel.

Was ist dein Beitrag für den Klimaschutz? 

Also, ich hab schon früh auf meinem Dach eine PV-Anlage und eine Solarthermielösung fürs Warmwasser installiert. Vor einem Jahr hab ich mir auch ein Elektroauto zugelegt. Das Zusammenspiel von all dem ist echt beeindruckend. Als Elektroingenieur begeistert mich das total. Genau in diese Richtung müssen wir gehen.

Und beruflich hab ich auch einiges gemacht. 2016 haben wir im Unternehmen ein Mobilitätsmanagement eingeführt. Jeder hat ein Jahresabo für den öffentlichen Verkehr bekommen, um damit zur Arbeit zu kommen. Abends nutzen wir dann Carsharing oder ein Elektroauto. Wir sind sogar in ein modernes Gebäude umgezogen, um das, was wir anderen empfehlen, selbst zu leben.

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Was war die größte Herausforderung für dich?

Oh, da gab es so einige. Mir war oft alles zu langsam. Ich musste lernen, wie die politischen Prozesse funktionieren, mit dem Kanton und der Regierung. Da braucht man manchmal echt Geduld. Aber ich hab gelernt, wie es geht. Ein echte Herausforderung war auch, die Energieagentur bekannt zu machen. Bis die Leute verstanden haben, wer wir sind und was wir machen, hat es gedauert. Wir mussten uns beweisen, bis wir als Experten wahrgenommen wurden. Jetzt kennen uns sogar Leute aus Bern. Unsere Ideen und Inititativen werden in der ganzen Schweiz umgesetzt.

Am Anfang mussten wir lernen, alles so zu erklären, dass es jeder versteht. Wir haben uns Mühe gegeben, die komplizierten Wörter in einfache Sprache zu übersetzen. Es musste klar und transparent sein. Manche haben gesagt, dass alles zu kompliziert ist, und haben lieber auf Förderungen verzichtet. Also haben wir uns angestrengt, alles einfach zu machen. Wir haben den Gesuchseingabe- und Bearbeitungsprozess für die Förderung komplett digitalisiert – ohne Papier und mittels e-Förderportal, das hat echt geholfen. Wir machen nur das, was wirklich nützt.

Was ist dein größter Erfolg?

Da gibt’s einiges, worauf ich stolz bin. Ein grosser Erfolg waren unsere Photovoltaik-Aktionen zwischen 2018 und 2022. Wir haben den Solarpreis gewonnen, weil mit den PV-Aktionen in sechs Regionen im Kanton St.Gallen über 1000 Solaranlagen entstanden sind, das sind total 10 GWh. Das war im Jubiläumsjahr der Energieagentur ein echter Höhepunkt. Da haben wir gemerkt, dass wir wirklich etwas bewegen können. Und ich bin total glücklich, dass wir Leute begeistern können. Wenn jemand sagt «Der macht es auch!», dann motiviert das andere, auch mitzumachen. Es ist ein super Gefühl, seinen Strom auf dem eigenen Dach zu produzieren.

Was wünschest du dir für den Kanton St.Gallen im Jahr 2023 und darüber hinaus?

Ich merke, dass viele Leute sich engagieren und bereit sind, in ihre Gebäudeenergie zu investieren. Wir müssen unbedingt weitermachen und schneller werden. Es ist wichtig, dass wir unsere Energie hier vor Ort produzieren und uns von fossilen Brennstoffen unabhängig machen. Ich hoffe, dass die Leute erkennen, wie wichtig das für die kommenden Generationen ist. Mein Wunsch ist, dass wir keine Zeit mit Diskussionen verlieren. Wir müssen die Dinge tun, die möglich sind. Ich hoffe, dass Windprojekte für den Winterstrom umgesetzt werden. Das ist matchentscheidend. Wie der Sommerstrom von der Sonne kommt, so brauchen wir im Winter den Windstrom. Positive Energie ist wichtig, um diese Projekte anzugehen. Ich wünsche mir, dass wir gemeinsam Kompromisse finden und so viel Energie wie möglich hier in der Schweiz produzieren. Ich bin echt froh, dass wir mit dem Kanton gut zusammengearbeitet haben und viele spannende Projekte umsetzen konnten.

Vielen Dank Philipp, für deine Zeit, die abwechslungsreichen Einblicke und natürlich dein Engagement. Wir wünschen dir einen guten Start in die Pension. Dein Engagement ist natürlich noch nicht vorbei. Wir freuen uns auf eine tolle weitere Zusammenarbeit mit Marco Zahner als neuen Geschäftsleiter der Energieagentur St.Gallen.

Marco Zahnder – Philipp Egger

Marco Zahner übernimmt am 1. September 2023 die Geschäftsleitung der Energieagentur St.Gallen GmbH von Philipp Egger. Vorgänger Philipp Egger wird nach knapp elf Jahren bei der Energieagentur Ende August pensioniert.

Was kann ich tun?

Unabhängig von Alter, Wohnsituation oder Geschäftsfeld gibt es vielfältige Wege, um zu einer nachhaltigen Energiezukunft in der Schweiz beizutragen.

Mieterinnen und Mieter:

  • Informiere dich über nachhaltige Energieoptionen. Engagiere dich in lokalen Initiativen für erneuerbare Energien und fördere Bewusstsein in deinem sozialen Umfeld.
  • Erkunde Möglichkeiten zur Energieeffizienz in deinem Zuhause. Tausche herkömmliche Glühbirnen gegen LED-Lampen aus, nutze smarte Thermostate und beziehe grünen Strom. Teile deine Erfahrungen mit Freunden und Kollegen.
  • Erwäge eine Beteiligung an erneuerbarer Heizsystemen oder Solaranlagen. Nimm an Workshops für nachhaltige Energie teil und bringe deine Lebenserfahrung in lokale Initiativen ein. Inspiriere die nächste Generation.

Tipps für Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer:

  • Führe eine Energieberatung durch, um den aktuellen Zustand deines Hauses zu verstehen und Optimierungspotenziale zu erkennen.
  • Investiere in Wärmedämmung, effiziente Heizsysteme und Solaranlagen.
  • Nutze Förderprogramme und steuerliche Anreize für Energieeffizienz- und erneuerbare Energieprojekte.
  • Betreibe bewussten Energieverbrauch: Nutze energiesparende Geräte und achte auf ein effizientes Heiz- und Kühlverhalten.
  • Tausche dich mit anderen Hauseigentümern aus und teile deine Erfahrungen.

Tipps für Unternehmerinnen und Unternehmer:

  • Führe eine Energieaudit durch, um Schwachstellen im Energieverbrauch deines Unternehmens zu identifizieren.
  • Investiere in energieeffiziente Technologien wie LED-Beleuchtung, intelligente Steuerungssysteme und erneuerbare Energien.
  • Implementiere Programme zur Mitarbeiter-Aufklärung über Energiesparen im Büro.
  • Erkunde die Möglichkeit der Nutzung von Solarenergie oder Energierückgewinnung in deinem Betrieb.
  • Suche nach branchenrelevanten Kooperationen und Netzwerken, um gemeinsam nachhaltige Praktiken zu fördern.

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