Planung & Versorgung
Kanton St.Gallen Amt für Wasser und Energie

16. Juni 2022

"Sich klimaschonend zu ernähren, ist einfach»

Was wir essen und trinken, hat einen starken Einfluss auf den Klimawandel. Wer sich an wenige Grundsätze hält, kann sich klimaschonend ernähren. Dabei hilft die App «ClimateActions», die einem mit kleinen Aufgaben klimaverträgliches Handeln näherbringt.

Urs-Peter Zwingli

Urs-Peter Zwingli
Journalist BR

Was wir essen, prägt unsere Gesundheit – und auch jene des Planeten: Unsere Ernährung hat einen starken Einfluss auf den Klimawandel. Jede und jeder kann also mit seinen täglichen Entscheidungen, was auf den Teller kommt, das Klima schützen. Das braucht keine radikalen Veränderungen, sondern eine Umstellung Schritt für Schritt. Um diese spielerisch zu gestalten, hat der Kanton St.Gallen in Zusammenarbeit mit der Schweizer Klimaschutzorganisation MYBLUEPLANET die App ClimateActions lanciert. Diese stellt die Nutzerinnen und Nutzer vor 26 kleine Challenges – also Herausforderungen – die in jeden Alltag passen (mehr dazu siehe Textkasten).

Doch was genau nützt eine klimaschonende Ernährung? Und bedeutet sie vor allem Verzicht? Maurice Koll, Projektleiter ClimateFood bei MYBLUEPLANET, gibt Auskunft.

Maurice Koll, welchen Einfluss hat unsere Ernährung auf den Klimawandel?

Rund ein Drittel der CO2-Emissionen weltweit sind durch die Ernährung verursacht. Hier gibt es also einen wichtigen Hebel, um den Klimaschutz zu verbessern. Denn anders als etwa in den Bereichen Transport oder Haustechnik sind bei der Ernährung keine technologischen Weiterentwicklungen oder weitreichende Erneuerungen der Infrastruktur nötig. Die Grundprinzipien der klimaschonenden Ernährung sind bekannt und können von jeder und jedem schnell und einfach umgesetzt werden. Dieses Wissen ist einfach noch zu wenig bekannt. MYBLUEPLANET veranstaltet regelmässig Workshops zu diesem Thema und ich merke dabei immer wieder, dass vielen Menschen die zentrale Rolle der Ernährung für den Klimawandel nicht bewusst ist. Viele denken bei Umweltproblemen in Zusammenhang mit Ernährung etwa an Plastikverpackungen oder den Transport. Beide haben aber einen vergleichsweise geringen Einfluss auf das Klima, ausgenommen Transporte mit dem Flugzeug. Die meisten Ressourcen werden hingegen bei der Produktion von tierischen Produkten aufgewendet. Zudem werfen wir rund einen Drittel aller Lebensmittel weg. Diese belasten das Klima und werden dann nicht einmal gegessen.

Maurice_Koll

Vielen Menschen ist die zentrale Rolle der Ernährung für den Klimawandel nicht bewusst.

Maurice Koll

Projektleiter ClimateFood bei MYBLUEPLANET

Wie kann jeder und jede die Ernährung klimaschonend gestalten?

Grundsätzlich sollte man saisonale und regionale Produkte bevorzugen. Die App ClimateActions gibt Empfehlungen, wie man solche Nahrungsmittel auswählt und findet. So gibt es darin etwa eine Liste mit Hofläden im ganzen Kanton St.Gallen oder einen Link zu einem Kalender, der zeigt, wann welche Früchte und Gemüse Saison haben. Wichtig für eine klimaschonende und auch gesunde Ernährung sind zudem die Richtlinien aus der Lebensmittelpyramide der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung (SGE). Aktuell essen wir durchschnittlich dreimal zu viel tierische Produkte, was einen hohen Einfluss auf die CO2-Emissionen hat. Konkret sollte nicht mehr als zwei Mal pro Woche Fleisch gegessen werden. Auch den Konsum von Milchprodukten sollte man einschränken und stattdessen mehr Nüsse, Samen und Hülsenfrüchte konsumieren. Ausserdem haben auch Genussmittel wie Kaffee, Schokolade oder Wein einen relativ grossen CO2-Fussabdruck. Die weltweiten CO2-Emissionen durch Ernährung können halbiert werden, wenn sich jeder Mensch an diese wenigen Grundsätze hält.

Die Ernährung beruht stark auf Gewohnheiten. Gibt es einfache Leitfäden, nach denen man sich richten kann, damit die Veränderung nicht zu kompliziert wird?

Wer sich unsicher ist, kann die erwähnte SGE- anschauen. Diese empfiehlt heute zwar noch zu viele Milchprodukte, ansonsten sind die Empfehlungen aus Sicht des Klimaschutzes und der eigenen Gesundheit sinnvoll. Eine aktuelle Ernährungsempfehlung ist zudem die «Planetary Health Diet». Diese wurde von 34 Wissenschaftlern aus 16 Ländern entwickelt. Die Kurzversion davon lautet: Den Konsum von Früchten, Gemüse und Hülsenfrüchten verdoppeln, den Konsum von Zucker und Fleisch halbieren. Fleisch und Milchprodukte können in kleinen Mengen noch immer gegessen werden.

Bedeutet klimaschonende Ernährung also vor allem Verzicht?

Sie bedeutet, bewusst zu essen und zu überlegen, was einem selbst und dem Planeten guttut. Die klimaschonende Ernährung ist nämlich auch für die Gesundheit ideal. Ich finde es aber wichtig, dass wir die Ernährungsumstellung auch spielerisch gestalten. Etwa, indem man neue Rezepte ausprobiert und neue Geschmäcker und Produkte entdeckt. Und eben: Man muss kein Lebensmittel ganz weglassen, nur weniger davon essen. Die App ClimateActions kann helfen, wenn jemand unsicher ist, wie er seine Ernährung klimaschonend gestalten kann. Die vielen kleinen Challenges in der App zeigen, dass die Umstellung einfach und Schritt für Schritt passieren kann.

Mit Challenges das Klima schützen
Seit Ende April gibt es für die App ClimateActions auch Challenges mit St.Galler Inhalten. Die App (sie funktioniert auch als Desktopversion) stellt insgesamt 26 Klimaschutz-Challenges in den Bereichen Ernährung, Mobilität, Wohnen und Konsum. Setzt man diese erfolgreich um, erhält man Klimapunkte, die man sammeln kann, um zum ClimateHero zu werden. Die App erstellt ein Ranking, so dass man sich mit anderen ClimateHeroes messen oder auch im Team gegen eine andere Gruppe antreten kann.

Im Bereich Ernährung ist eine der Challenges etwa, mehr frisches Gemüse und Obst aus der Region zu kaufen. Eine andere fordert dazu auf, eine Woche lang vegetarisch zu essen und auch Freunde zu bekochen. Zu jeder Challenge stellt die App Links zu weiterführenden Informationen zur Verfügung. Dort erfahren die Nutzenden Hintergründe und Zahlen zu einem Thema. Und sie erhalten konkrete Tipps, wie sie eine Challenge umsetzen können – etwa, wie man Gemüse richtig lagert oder wo es im Kanton St.Gallen Hofläden gibt, bei denen man regionale und saisonale Produkte direkt von den Produzierenden kaufen kann.

Was kann ich tun?

  • Die App «ClimateActions» herunterladen und darin «St.Galler Energie 2030» als Challenge wählen
  • Einen Wochenmarkt besuchen und dort regionale und saisonale Produkte entdecken
  • Ein Gemüseabo von einem Bauernhof in der Region abschliessen
  • Einfache Formel für gesunde und klimaschonende Ernährung: Den Konsum von Früchten, Gemüse und Hülsenfrüchten verdoppeln, den Konsum von Zucker und Fleisch halbieren.

Facts

  • Eine Mahlzeit mit Fleisch verursacht durchschnittlich drei Mal mehr Treibhausgase als eine vegetarische.
  • Im Schnitt wirft jeder Schweizer Haushalt jährlich Lebensmittel im Wert von 600 Franken Weg (rund 330 Kilogramm pro Person). Food Waste belastet also das Klima und ist auch Geldverschwendung.
  • Rund ein Drittel der weltweiten CO2-Emissionen werden durch die Ernährung verursacht.

Weitere Stories zu «Planung & Versorgung»

210401_PV_Wittenbach_006
Planung & Versorgung
Region Zürichsee-Linth

03. Mai 2022

«Photovoltaik im Sorglos-Paket»

Eine Photovoltaik-Anlage zu einem Fixpreis auf dem Dach montiert – das ist die Idee hinter der PV-Aktion der Region Zürichsee-Linth. Willst du mehr wissen? Peter Göldi im Gespräch mit Peter Remek.

Mehr erfahren
«Photovoltaik im Sorglos-Paket»

Bei Verwendung dieser Webseite stimmen Sie zu, dass Cookies auf Ihrem Computer gespeichert werden. Mehr Informationen