Planung & Versorgung
energietal toggenburg

04. April 2024

Wärmeverbund: Eine Heizung für mehrere Gebäude

Holz ist ein Energieträger, der nachwächst. Das wurde in vielen Gemeinden erkannt. Bereits jetzt gibt es beispielsweise im Toggenburg zahlreiche kleinere und grössere Wärmeverbunde, die mit Holz betrieben werden. Weitere Anlagen und auch einige Erweiterungen werden geprüft.

Sabine Camedda_Portrait

Sabine Camedda
Leiterin Kommunikation energietal toggenburg

Öl- und Gasheizungen verursachen in der Schweiz 40 Prozent der CO2-Emissionen, die unser Klima belasten. Erste Kantone wie Zürich verbieten im Energiegesetz praktisch den Ersatz alter Öl- und Gasheizungen durch eine neue Heizung mit fossilem Brennstoff. Der Kanton St. Gallen zielt in eine ähnliche Richtung. Bei der Umstellung auf eine klimaneutrale Heizung ist ein Anschluss an ein Fernwärmenetz eine gute Option. Vorausgesetzt, dass die Liegenschaft im Perimeter eines Wärmeverbunds liegt.

Wertschöpfung bleibt in Region

In den vergangenen Jahren hat sich die Versorgungslücke vor allem in den Kerngebieten von Gemeinden und Quartieren geschlossen. Neue Ortsteile wurden angeschlossen, weitere Erweiterungen sind in Planung. Einzelne Gemeinden wie Wattwil und neu auch die Energieregion Obertoggenburg fördern gezielt den Anschluss an Fernwärme.

Holzenergiezentrum Nesslau
Das «Holzenergiekraftwerk Toggenburg» im Stich, Nesslau, besteht aus einem Holzkraftwerk mit Schnitzelheizung und Wärmekraftkoppelung sowie dem Wärmeverbund Nesslau-Neu St. Johann
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Jährlich werden dadurch über 1,2 Millionen Liter Heizöl substituiert. Dafür werden 9'000 m3 Waldholz benötigt, was einem Jahresbedarf von ungefähr 25'000 m3 lose Schnitzel entspricht.
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Es werden nur naturbelassene Holzschnitzel aus Wäldern und Sägereien der Region verwendet.

Während in der Gemeinde Kirchberg die Öfen der Kehrichtverbrennungsanlage in Bazenheid für die nötige Wärme sorgen, werden die meisten übrigen Wärmeverbunde mit Holz betrieben. Dabei setzen sie in erste Linie auf einheimisches Holz. Die Transportwege vom Wald, wo das Energieholz zu Schnitzeln gehackt wird, bis zur Wärmezentrale sind kurz. Das Holz sorgt ausserdem für Wertschöpfung in der Region. Von 100 Franken, die für Energieholz ausgegeben werden, bleiben rund 50 Franken in der Region. Gemäss Aussagen des Kantons St. Gallen wird das Energieholz-Potenzial nicht ausgeschöpft.

Um einen Wärmeverbund wirtschaftlich betreiben zu können, muss das Netz von Beginn weg möglichst dicht sein. Der Wärmeverlust durch die Leitungen sollte nicht unterschätzt werden. Ein wichtiger Punkt, der bei der Planung eines Fernwärmenetzes zu beachten ist, ist der Standort der Wärmezentrale. Denn unter Umständen steht mit der Zeit eine Erweiterung zur Diskussion.

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Der Wärmeverbund Wattwil ging Ende September 2016 zusammen mit der Holzschnitzel-Heizzentrale im Wattwiler Flooz in Betrieb.
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Das Holz, das die Wärme liefert, stammt zu 95% aus Wattwil und Lichtensteig, der Rest aus dem übrigen Toggenburg.

Viele Player bei der Planung

Bis ein Wärmeverbund den Betrieb aufnehmen kann, ist aber viel Vorarbeit notwendig. In einem ersten Schritt wird das Potenzial grob abgeschätzt. Es empfiehlt sich, bereits dabei eine neutrale Stelle für die Moderation und einen guten Fachplaner mit ins Boot zu holen.

Mit der Bestellung einer Projektgruppe und der Definierung einer Anlaufstelle erfolgt der Projektstart. Relevante Akteure wie die Gemeinden, Bewilligungsbehörden, Forst und Energiefachpersonen sollen über das Projekt informiert werden. Eine Machbarkeitsstudie gibt unter anderem detailliert Auskunft über einen möglichen Perimeter, den Wärmebedarf der Bezüger und einen Referenzpreis. Um das herauszufinden, erhalten die Grundeigentümerinnen und Grundeigentümer im möglichen Perimeter einen Fragebogen zugeschickt. Aus diesen Angaben kann die Projektgruppe die Wirtschaftlichkeit ableiten.

Ist diese gegeben und wird das Projekt weiterverfolgt, müssen sich die Grundeigentümerinnen und Grundeigentümer innerhalb des definierten Perimeters für oder gegen einen Anschluss entscheiden. Gleichzeitig werden eine Trägerschaft aufgebaut und die Finanzierung sichergestellt. Dafür kann die Projektgruppe Fördergelder beantragen. In einem nächsten Schritt erfolgt die Detailplanung und die nötigen Bewilligungen müssen eingeholt werden. Ebenfalls braucht es Lieferverträge für die Rohstoffe. Schliesslich werden die Leitungen und die Wärmezentrale des Wärmeverbundes gebaut und in Betrieb genommen.

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Damit die Liegenschaften erschlossen werden können, müssen die Wärmeleitungen verlegt werden.
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Neue Wärmeleitung im Wärmeverbund Wattwil

Was kann ich tun?

  • Wenn Sie sich für den Aufbau eines Wärmeverbundes zur Verfügung stellen, holen Sie möglichst bald die nötigen Fachpersonen ins Boot und informieren Sie frühzeitig die wichtigsten Akteure in der Gemeinde.
  • Eine Machbarkeitsstudie ist zwingend, um die Wirtschaftlichkeit eines Wärmeverbundes auszurechnen. Die Wirtschaftlichkeit auf längere Sicht muss gegeben sein, weil Sie als Wärmelieferant Verpflichtungen gegenüber den Abnehmern eingehen.
  • Überlegen Sie beim Wahl des Standorts der Wärmezentrale, ob zu einem späteren Zeitpunkt eine Erweiterung ein Thema werden könnte.

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