Dialog & Kooperation
Kanton St.Gallen Amt für Wasser und Energie

31. August 2023

5 Fragen an Céline Ramseier

In Zeiten in denen der Klimawandel und Themen der Energie mehr als je zuvor im Fokus stehen, ist es von entscheidender Bedeutung, Konzepte zu entwickeln, die Veränderungen bewirken. Mit Céline, einer Expertin auf dem Gebiet der Energie und des Klimaschutzes, konnte ich zunächst über ihre Arbeit und ihren persönlichen Beitrag zur gemeinsamen Energiezukunft sprechen. Weiter werfen wir einen Blick hinter das Energiekonzept - auf ihre Erfahrungen bei der Erarbeitung und dessen Besonderheiten.

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Julia Benz
Projektleiterin Amt für Wasser und Energie Kanton St.Gallen

Céline, du beschäftigst dich schon dein ganzes (Berufs)-Leben mit Themen rund um die Energie. Wenn du zurückschaust, was hat sich verändert?

Das Thema Energie und Klima ist heute viel präsenter und bewusster in der Gesellschaft. Besonders die Bereitschaft zur Mitwirkung ist enorm gewachsen. Besonders beeindruckt mich die starke Betroffenheit junger Menschen. Vor zehn Jahren mussten wir im Bereich Gebäude noch Überzeugungsarbeit leisten, heute sind Energiethemen selbstverständlich.

Was ist dein Beitrag für den Klimaschutz? 

Mein Beitrag erstreckt sich auf die Projektleitung des St.Galler Energiekonzepts sowie die Anpassung des Energiegesetzes und der -verordnung. Besonders setze ich mich für Kommunikation, Sensibilisierung, Dialog und Kooperation ein. Klima- und Energieziele können wir nur gemeinsam erreichen, von Einwohnerinnen und Einwohnern über Gemeinden bis hin zu Unternehmen.

Privat nutze ich kein eigenes Auto und greife stattdessen auf Carsharing zurück. Meistens bin ich mit dem Velo, zu Fuss oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs. Meine Vorliebe für Secondhand-Kleidung und -Möbel kommt dem Klima zugute. Einige wenige Neukäufe gönne ich mir natürlich. Hier in St.Gallen haben wir grossartige Flohmärkte, die mein Mode- und Einrichtungsherz höherschlagen lassen. Mein Garten ist ein Refugium für Insekten, Bienen und Vögel. Der Garten ist trockenheitsangepasst, mit blühenden Pflanzen von Frühling bis Herbst. Übrigens, ein Wurmkomposter im Keller hilft, auch im Winter Küchenabfälle nachhaltig zu verwerten.

Was ist oder war die grösste Herausforderung für dich?

Aktuell denke ich, dass die Herausforderung darin liegt, das Bewusstsein für die Systemdynamik zu schärfen. Früher war es das vernetzte Denken und überhaupt erst mal die Bereitschaft über die Systemgrenzen zu diskutieren – zum Beispiel bei «grauer Energie» im Baubereich. Gerade im Bauen ist wichtig: was schaue ich mir an? Wie weit geht mein Betrachtungshorizont? Beim Klima: Was passiert, wenn ein Tipping Point erreicht ist? Wie können wir das verhindern? Es gibt jedoch auch das Gegenteil: positive Tipping Points. Kipppunkte, die positiv für Klimaschutz und Themen der Energie sind. Das ist besonders interessant, wenn man bedenkt, dass auch eine beharrliche und engagierte Minderheit einen Kipppunkt auslösen kann. So kann Wandel stattfinden.

Was ist dein größter Erfolg?

Zum Beispiel die Etablierung des «Green Day» – in nur einem Jahr von 20 auf 60 Veranstaltungen erweitert, von einem auf drei Tage gestreckt. Unter Beteiligung unserer Partner vom St.Galler Energiekonzept. Das hat mir viel Freude bereitet. Ebenso unsere Plattform energie2030.ch, Dreh- und Angelpunkt der Umsetzung des St.Galler Energiekonzepts, die wichtige Bloggeschichten aus den Konzept-Schwerpunkten beherbergt. Auch die fortlaufende Weiterentwicklung zum Beispiel um Aspekte wie Essen und Reisen bedeuten mir viel.

Was wünschst du dir für den Kanton St.Gallen im Jahr 2023 und darüber hinaus?

Mein Wunsch ist es, dass der Kanton bis 2050 Netto-Null erreicht und die erneuerbare Energieproduktion stetig wächst. Mutige Massnahmen sind gefragt, jede frühzeitig eingesparte Tonne CO2 zählt. Und ich wünsche mir eine nachhaltige Gesellschaft, die Solidarität, Ökologie und Ökonomie in Einklang bringt. Ich wünsche mir Einwohnerinnen und Einwohner, die sich in ihrem Alltag für den Klimaschutz und die Klimaanpassung engagieren, ich wünsche mir Unternehmen und Gemeinden, die ihren CO2-Ausstoss sichtbar und transparent machen, dass Themen des Klimawandels bereits in der Grundbildung berücksichtigt werden, zukunftsgerichtete Finanzmärkte und sichtbare, motivierende Umsetzungsbeispiele und Leuchttürme. Ich bin überzeugt, dass wir auf einem guten Weg sind.

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St.Galler Energiekonzept 2021-2030

Was ist aus deiner Sicht so besonders am St.Galler Energiekonzept 2021-2030? 

Die technischen Möglichkeiten sind zweifellos vorhanden, aber das Matchentscheidende liegt darin, dass die Menschen bereit sind, sie anzuwenden und sich von guten Umsetzungen motivieren und inspirieren lassen. Es geht um gemeinsame Anstrengungen.

Was hat dir am meisten Freude bei der Erarbeitung bereitet?

Der Austausch und die Diskussionen mit den vielen engagierten Menschen. Gemeinsam Massnahmen zu entwickeln, war einfach erfrischend.

Wo siehst du die größte Herausforderung?

Wir haben noch 7 Jahre bis 2030 – die Zeit drängt, aber sie ist auch eine motivierende Kraft.

Größter Unterschied zum vorgängigen Energiekonzept?

Das neue Konzept ist integral aufgebaut und fokussiert mit 16 Massnahmen auf 5 Schwerpunkte: «Schwerpunkt 1: Stadt, Gemeinde & Energieversorger», «Schwerpunkt 2: Quartiere & Areale», «Schwerpunkt 3: Im & ums Haus», «Schwerpunkt 4: Unterwegs sein» und «Schwerpunkt 5: Arbeiten». Im Vergleich dazu lag der Fokus im vorgängigen Energiekonzept auf Wärme und Strom für Gebäude. Neu haben wir auch die Akteure intensiv in die Erarbeitung mit einbezogen. Plus, das Konzept berücksichtigt jetzt auch Mobilität. Und der begleitende Blog ist wie ein Kreativspielplatz – erweitert um Reisen & Essen, mehr Genuss inklusive!

Welche Tipps hast du für jede und jeden Einzelnen, um die Ziele des Energiekonzepts zu unterstützen?

Ganz einfach: Mitmachen! Bewusster Energieverbrauch im Alltag, nachhaltige Mobilität, und das Schätzen von regionalen Köstlichkeiten – alles sind Schritte in die richtige Richtung. Und vergiss nicht, dass jeder Beitrag zählt, sei es gross oder klein!

Danke, Céline für das Interview und den Blick hinter das St.Galler Klimaschutzkonzept sowie zu der Zeitreise in die letzten Jahre und den motivierenden Blick in die Zukunft. Mit deinem fundierten Wissen und deiner sympatischen Art trägst du massgeblich dazu bei, die gemeinsame Energiezukunft voranzutreiben!

Was kann ich tun?

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